Artarium: Evanescence – „The Open Door“

Sonntag, 11. November 2012 DIESMAL SCHON UM 17:00 Uhr: Das ganze Album in einer Geschichte, die so persönlich, so individuell, so emotional ist wie eigentlich all unsere Begegnungen mit jener Musik, die uns berührt, fasziniert, begleitet und auch prägt. Musik, die uns Gänsehaut verursacht, weil sie uns in einem besonderen Moment unseres Lebens so wiederspiegelt, dass wir uns in ihr erkennen können. Musik, durch die wir zum Bewusstsein über uns selbst erwachen, weil wir uns durch sie und in ihr auf einmal so spüren wie noch nie zuvor.
Ähnlich gelagert war wohl die Grundidee der Ö3-Musicbox-Pioniere, die in ihrer Reihe “Die komplette LP” jeweils auch Schallplatten vorstellten, die ihnen unmittelbar nahe gegangen waren. Genau jene Musik, die sie persönlich begeisterte, überzeugte, verrückt machte – die sie einfach nicht mehr los ließ. So hat sich das damals angespürt, als Radiomachen auch beim ORF noch lustig und experimentell war und “der kurze Weg von der Operation zum Ergebnis” (Günther Paal) noch nicht in Professionalismus und Institutionalisierung absoff und erstickte.
Ganz in diesem Sinne servieren wir diesmal das Album “The Open Door” der amerikanischen (ja,ja!) Alternative-Band Evanescence. Ein Album, das für den lieben Chriss eine ganz eigene Bedeutung entwickelt hat und ihn seit seiner Entdeckung begleitet und inspiriert. Und genau das beschreibt er hier in seiner Einführung – aus seinem eigenen Erleben:
“Mit 14 (in meiner Emo-Phase) habe ich mich sehr zurückgezogen, war allein, freiwillig allein, und mir ist es gut dabei gegangen. Ich wollte das so. Ich fing an meine ersten Gedichte und Songtexte zu verfassen, war sehr in meinen Gedanken und Träumen versunken. Ich ging oft in der Nacht spazieren, froh darüber niemanden zu sehen und ich mied den Kontakt zu anderen. Bis auf einige wenige bei denen es egal war wie verträumt und verwirrt ich auch war. Unter anderem Sabal, zu dem ich mittlerweile keinen Kontakt mehr habe…
Irgendwann zeigte er mir ein Lied namens Bring Me To Life von Evanescence vom ersten Album Fallen. Das Klavier, die hohe sehr getragene Stimme und dazu die heftig verzerrten Gitarren. Ich hab mich sofort verliebt Youtube brachte mich dann auf das zweite Album The Open Door und es kam mir vor, die Musik hat mir wirklich eine Tür geöffnet. Zu etwas was ich bisher noch nicht kannte, etwas Neuem, Interessantem; ich konnte mich einfach in diese Tiefe fallen lassen. Also zog ich los in den Saturn und fand die CD, welche mich seither begleitet. Mal stärker, mal schwächer.
Schon allein das Albumcover: Die Sängerin Amy Lee -gekleidet in ein langes, wallendes, weißes Kleid- steht vor einer riesigen geöffneten Tür. Man sieht einen dunklen Himmel und in der Tür sind seltsame Zeichen eingraviert. Sonst ist alles dunkel.
Das war die Ästhetik, die so ganz genau mir entsprach und in die ich mich seither einhülle wenn ich male, schreibe oder singe und die mich so sehr fasziniert. Das Dunkle, Abgründige. Schmerz, Angst, Panik, Verzweiflung, Depression, unerfüllte Wünsche und Hoffnungen, Liebe die nicht existieren kann…
Mich traf das Album sehr elementar. Ganz tief unten in meiner Seele. Das Album spiegelte meine Einsamkeit wider, meine Träume und Vorstellungen, meinen beginnenden Kampf mit dem System, meine erwachende Poesie, meine Bilder die ich sah, wenn ich meine Augen schloss. Und das tut diese CD immer noch. Fünf Jahre später. Und mittlerweile empfinde ich die Musik anders, intensiver, ich lasse mich mehr auf die einzelnen kleinen Details ein, auf den Text, die Art wie Amy Lee singt, diesen einen Klavierton der das ganze Lied trägt, diesen einen Schlussakkord der Gitarre!
Für mich ist das Album sehr durchkonzipiert, sehr rund, ein ganzes perfektes Werk, großartiger Künstler, die einfach die Schönheit aus ihrer Seele lassen. Und wie ich schon weiter oben geschrieben habe, spricht mir das Album sehr aus meinem Herzen, durch die ganzen Dinge, die es in mir bewusst macht. Ich hab es erst wieder entdecken müssen, beim Malen eines frustrierten und dennoch sehr starken Selbstportraits. Inspirierend, schwarzromantisch, düster und abgründig und dennoch hoffnungsvoll, voller Liebe, nie enden wollenden Träumen und der Suche nach einem Weg…”
Und so wünschen wir euch beide viel Spaß damit (und auch innere Einkehr). Wir sind auf jeden Fall ein geiles Institut und das Passwort für die vollständige Sendungskopie (inkl. Musik!) gibts auch von uns.
Ach ja – fast hätt ichs vergessen: ACHTUNG – diese Sendung hat ÜBERLÄNGE und dauert daher etwas über 59 Minuten! Und zur Nachtfahrt gehts hier ->
Sendungen zum Nachhören
Draußen vor der Tür
Mir geht es wie dem Borchert. Naja, doch nicht so ganz. Aber schon auch irgendwie. Denn da will ein Text aus mir heraus, ein langer Text, für den ich (jedenfalls diese Woche) viel zu wenig Zeit habe. Und auch wenn es nicht meine Restlebenszeit ist,…
Breaking Glass (Film Soundtrack)
Seit einiger Zeit tauchen sie wieder öfter auf, die 70er und 80er Jahre, speziell im Hinblick auf die radikalen Einflüsse von Punk, New Wave und D.I.Y. (“Do it yourself”) auf die Musikkultur jener Zeit und darüber hinaus auf weite Teile des Musik- und Kunstschaffens bis…
WOMAD (Peter Gabriel 1982)
“It was a simple idea; to create a festival out of all the brilliant music and art made all over the world, stuff made outside of the mainstream – music that wasn’t getting on the radio and was even harder to find in record stores…
Binario Due
Binario bedeutet im Italienischen Bahnsteig oder Bahngleis und dient uns hier als Metapher für unsere Begegnung mit dem Nichtbinären. Binario Due bedeutet also, dass es nicht mehr nur eingleisig weiter geht, auf einer einzigen eingleisigen Strecke, die genau zwei festgelegte Schienen hat, rechts/links, schwarz/weiß, männlich/weiblich.…
Querschläger Gegenwind 35 / 900
Nunmehr, was wäre Werbung in einem nichtkommerziellen Medium? Und wenn ja, wie könnte das ausschauen oder besser noch, sich anhören? Schließlich sind wir ja im Radio und “Das Beste gibt es nicht zu kaufen.” Bewirkt solch Vorhaben nicht gehörigen Gegenwind? Mitnichten. Denn “auf etwas aufmerksam…









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