Artarium: Blackfield
Sonntag, 12. Januar 2020 ab 17:06 Uhr (WH am Mo, 13.1. ab 14:06 Uhr):

Es war einmal ein Musiker. Und der war richtig berühmt – in Israel. Leider war er auch an jenem 4. November 1995 zugegen, als ein religiös-fundamentalistischer Rechtsextremer (diesen Begriff kann man sich auf der Zunge zergehen lassen) den damaligen Regierungschef Jitzak Rabin ermordete. Das hat unseren Musiker verstört, wie sich gewiss denken lässt. Trotzdemhat er weiter Musik gemacht – und dieses traumatische Erlebnis auch immer wieder in seiner Kunst verarbeitet. Doch nichts ist seitdem wie es vorher war, nicht nur für den Musiker Aviv Geffen, sondern auch für die gesamte Nahostregion sowie für den Weltfrieden an sich. Einige Jahre nach diesem “Incident” gründeten der Frontmann von Porcupine Tree, Steven Wilson und besagter Aviv Geffen ihre Band Blackfield.
Die Musik von Blackfield eignet sich hervorragend zur Untermalung jeder Winterdepression. Oder einfach nur Schwermut, Sehnsucht und all das, was sich als Melancholie verstehen lässt. Dabei schwingt allerdings stets auch die Perspektive des “trotzdem Weitermachens” mit, die hier bereits angeklungen ist. Keine Aufforderung zu Scheißdrauf und Suizid – wiewohl es etwa im Song Cloudy Now heißt: “We are a fucked-up generation!”Nein, vielmehr jene geniale Melangeaus Traurigkeit und Freude, die wir als speziell für die jüdische Kulturcharakteristisch ansehen. Diese emotional intensive Gleichzeitigkeit von einander eigentlich widerstrebenden Eindrücken erfährt durch die Zusammenarbeit mit dem ausgewiesenen Soundtüftler Steven Wilson eine ungemein dichte Präsenz, hat der als “Prog-Wunderkind” gepriesene Vielschaffende doch schon eine gehörige Anzahl von Alben aus der Blütezeit des Art- und Progressive Rock wiederaufbereitet, von Jethro Tull über King Crimson und Roxy Music bis Yes (um einige der bekannteren Bands zu nennen). Darüber hinaus tritt Steven Dampf in allen Kanälen bei Blackfield auch noch als zweiter Sänger und Gitarrist in Erscheinung, und zwar keinesfalls nur nebenbei. Seine diesbezügliche Herkunft sei durch das über 2-minütige Gitarrensolo aus Time Flies vom Porcupine-Tree-Album The Incident deutlich gemacht. Legendär.
Zur Herkunft von Aviv Geffen möchten wir das Video zur frühen Solo-Version von Cloudy Now (auf hebräisch) empfehlen. Da haben sich jetzt zwei gefunden, die ihre Welten miteinander verschmelzen, dass es gut tut – und weh! Wir spielen daher das erstaunliche Erstlingswerk ihres gemeinsamen Bandprojekts – und freuen uns traurig.
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