Artarium: Dichtkunst oder Humor?
Sonntag, 09. September 2018 ab 17:06 Uhr (WH am Mo, 10.09. ab 14:06 Uhr):

Neulich suchte ich in meinem Computer nach alten Tonaufnahmen von Max Goldt – und wähnte diese im Ordner namens Humor. Dort waren sie aber nicht, stattdessen fand ich sie in einem anderen Ordner namens Dichtkunst. Ich glaube zwar nicht, dass dieser Umstand Endgültiges über die Zuordnung von Max Goldts Werken aussagt, aber ein Körnchen Wahrheit wohnt ja in jedem noch so blinden Huhn. So heißt Max Goldt ursprünglich Matthias Ernst und nicht etwa Franz Lustig, was schon mal ein dezenter Hinweis sein könnte. Ganz und gar erschüttert war ich dann allerdings über seinen fast seriösen Auftritt in “Druckfrisch”. Was haben wir uns früher nicht zerpeckt über herrliche Wortgetüme wie Spinnenabdomensalat, Seepockensperma oder Leihmumienanalsex!
Selbige finden auch in einer sehr frühen Artarium-Ausgabe statt, in der unser Anstifter Peter.W. 2007ein paar dadaeske Lesungen von Max Goldt mit Liedern von Funny van Dannen zu einer Art kleiner Hirnfeuerschau montiert hat. Und nun, gut 11 Jahre später, wollen wir dem knallbumsen Frühwerk des einstigen Songschreibers sowie Titanic-Kolumnisten auf ähnliche Weise, jedoch speziell unter dem Aspekt der Dichtkunst, unsere Resonanz erweisen. Dazu schneiden wir Songs seiner legendären Band “Foyer des Arts” ins Programm, vor allem aus dem Album “Ein Kuss in der Irrtumstaverne” von 1988. Dort finden sich Sprachperlen wie zum Beispiel: “Der Islam nervt und meine Hose ist zu eng.” Oder aber: “Zwei Leute heiraten. Die Frau riecht nach Niveacreme und der Mann findet das toll.” Das sind zugegeben nicht die Refraintexte, die damals in Mädchentoiletten gekritzeltwurden und von denen Bettina Dunkel in ihrem persönlichen Statement berichtet. Aber auf jeden Fall Indizien dafür, dass sich im poetischen Gesamtwerk von Max Goldt die Kategorien Humor UND Dichtkunst ganz vortrefflich verbinden.
Und Bettina Dunkel stellt fest: “Nachfolger hat die Band ohne Vorbild nie gefunden. Für mich allerdings wurde sie zum Vorbild in Sachen Selbstständigkeit. Max Goldt, der später als Schriftsteller die Kunst des Abschweifens perfektionierte, ist seitdem mein Zöllner an der Grenze zum guten Geschmack. Und wird es auch immer bleiben.”
Norber K. Hund, Artarium
Sendungen zum Nachhören
Ein halbes Doppelalbum
Und wieder einmal öffnen wir eine Zeitkapsel, diesmal in Gestalt einer Langspielplatte (so hießen Musikalben damals im vordigitalen Zeitalter). Wir präsentieren euch “Ein halbes Doppelalbum” von Werner Pirchner, ein im allerbesten Sinn bewusstseinserweiterndes und weit über zahllose Genres hinausreichendes Meisterwerk, das völlig zu Recht seit…
Preissnbeisser
Zum Tag der unschuldigen Kinder vollführen wir wieder einen Zeitsprung. Und zwar in jene Zeit, in der wir wie von selbst anfingen, hinter der “heilen Welt”, die man uns vorführte (und in die man uns verführte?), jene “anderen Welten” zu erahnen, die das Wesentliche berühren…
Licht und Schatten
Licht und Schatten ist ja nun wirklich ein vortreffliches Thema zur Wintersonnenwende, weil es die physikalischen Gegebenheiten dieses Phänomens auf den naturwissenschaftlichen Punkt bringt. Nichtsdestoweniger sind rund um diesen winterlichen Wendepunkt im Verhältnis von (Erd)Schatten und (Sonnen)Licht auch allerhand andere Aggregatzustände, etwa in der menschlichen…
Everybody Scream
Die Vorstellung dieses Albums entsprang zunächst einem internen Auffassungsunterschied: Unentrinnbar deutlich sind Wut und Verzweiflung und damit einhergehend zornige Aggression und brutale Gewalt in der Stimme von Florence Welch wahrzunehmen, was die einen erschreckt, verängstigt und verstört – andere hingegen anzieht, neugierig macht und fasziniert.…
Lebens Geschichten
Geschichten, die das Leben erzählt, spiegeln sich in den Menschen, die sie erlebt haben – nein, eigentlich auch immer noch erleben. Und wenn sie das tun, also von ihrem Erleben erzählen, dann verlebendigen sie ihre Erfahrungen für uns andere und “der sprichwörtliche Funke” kann regelrecht…










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