Hörenswert: A.S. Fanning – „Take Me Back To Nowhere”

Wenn man nirgends hinwill, dann ist das meist nicht Unentschlossenheit oder Unwissen, sondern das exakte Gegenteil.
Eine Form von paradoxer Klarheit, die Erkenntnis, dass das Irgendwo, in dem man sich gerade befindet, nicht der richtige Ort ist. „Take Me Back To Nowhere“ des großartigen A.S. Fanning ist die Umarmung der Auflösung, zugleich Flucht und Sehnsucht und eine poetische Erkundung des Chaos.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 27.2.2026 ab 14:06 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 5.3.2026 ab 00:00 Uhr.
And I don’t fear hell or heaven above
Der in Berlin lebende irische Songwriter ist spätestens seit „Carmelita“ eine der fesselndsten Stimmen Irlands und verwebt introspektiven Folk mit Rock, Wave und psychedelischem Pop, immer ein Suchender und ein Beobachtender und Zuhörender. Das Grundrauschen der Welt ist oft zu laut, das Licht zu grell, die Gegenwart zu angespannt und Fanning ist immer im Zwischenzustand: Hier herrsch kein Vakuum, keine Apokalypse – aber es ist immer ein Raum für Ruhe, ein Ort, an dem sich Krämpfe lösen.
Längst ist der Düster-Bariton von A.S. Fanning bei einer Aufzählung mit Nick Cave, Leonard Cohen und Scott Walker nicht mehr wegzulassen, sein Dark-Wave-Folk hat einen einzigartiger retrofuturistischer Sound, der in 100 Jahren Science Fiction Filme untermalen wird und Lyrics wie „You make me wanna stay alive“ klingen in seiner eher nicht so optimistischen Erzählwelt wie eine lebensbejahende, zutiefst ehrliche und unpathetische Liebeserklärung. Aber Fannings Musik ist zerbrechlicher und roher als seiner großen Kollegen, mit einem Minimalismus, der den Schmerz nur noch tiefer gehen lässt und bevor man sich versieht, sitzt man gemeinsam einer dunklen Ecke und raucht still eine Zigarette vor lauter arg.

I’ve got to make it to Berlin before the withdrawals kick in
„Take Me Back To Nowhere” ist das vierte Soloalbum und nach seinem dunkel flackernden und für sein mutiges Songwriting hochgelobten Vorgänger „Mushroom Cloud“ (2023) ein noch definierter umrissener Schwebezustand. Nicht mehr nur Nebel, sondern die Stille danach. Beim Zuhören beginnt man selbst, sich ins Nirgends zu wünschen, aus Sehnsucht nach Entlastung. Es ist keine bedrohliche Leere. Aber eine Dumpfheit liegt in der Luft, wie Watte im Kopf. Und wer will das schon für immer.
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Mehr Informationen(A.S. Fanning – Save Us)
Auch dieses Mal arbeitete er mit Produzent Robbie Moore im abgeschiedenen Studio Idea Farm in Südschweden. Ein umgebauter Bauernhof, viel Raum, viel Himmel. Die Songs entstanden gemeinsam mit seiner Liveband Bernardo Sousa (E-Gitarre), Dave Adams (Orgel, Synthesizer, Klavier), Fred Sunesen (Schlagzeug) und Felix Buchner (Bass). Als Gastmusikerin steuerte Marta Zapparoli atmosphärische Klangtexturen bei. Ein gebrochenes Handgelenk zwang Fanning, Gitarre gegen Keyboard und Drum-Machine zu tauschen – mit weniger Akkordgerüsten, mehr Text-Momentum und einer intensiven Mischung aus Wave und Folk, Ambient-Elemente und karge Soundlandschaften stehen im Vordergrund wie sonst nur laute Gitarren.
Today is for forgetting
Inspiriert von Autor:innen wie Ursula K. Le Guin und J. G. Ballard, untersucht Fanning das Zerbröseln der Realität: globale Konflikte als Content, soziale Medien als Dauerlärm, Zivilisation als dünne Fassade. Der Krieg wird zum Spektakel, das Moralzentrum zur Attrappe. Was bleibt, ist Taubheit – und der Rückzug in eine innere Parallelwelt.
Das Verlangen, nirgends zu sein, anstatt irgendwo zu sein, wo es eigentlich eh nicht so ganz super ist.
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Am 30.4.2026 spielt A.S. Fanning beim großartigsten Eleven Empire!
Das Nirgendwo ist irgendwo rechts vorne zwischen Verstärkerrauschen und Nebelmaschine.
„Take Me Back To Nowhere” von A.S. Fanning ist am 6.2.2026 bei K&F Records / Proper Octopus erschienen.










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