Hörenswert: Langendorf United – “Undercover Beast”

Vertrackte Grooves, psychedelische Sounds und viel Improvisation. Was sich nach einem Dorfverein anhört, ist in Wahrheit das extravagante Projekt der schwedischen Saxofonistin Lina Langendorf.
Mit viel Gefühl und Können kreiert ihr Ensemble einen eigenwilligen Sound, der dem äthiopischen Jazz eine ganz neue Klanggestalt verleiht. “Undercover Beast” ist die schwedische Version dieses Genres, dem die ganz große Aufmerksamkeit immer erspart geblieben ist.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 20.02.2026 ab 14:08 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 12.03.26 ab 00:00 Uhr.
Denn dieses Genre ist immer noch ein subkulturelles. Entstanden ist der sogenannte ‘Ethio-Jazz’ in Addis Abeba. Die Verbindung von der traditionellen Musikkultur mit Elementen des westlichen Jazz lieferte ab den Fünfziger Jahren die Musik für die Stadt, die in diesen Jahren ihre kulturelle und wirtschaftliche Hochzeit erfuhr. Mit den Touristen kamen die Hotels und mit ihnen die Hotelbands. Aus Addis Abeba wurde ‘swinging Addis’. The place to be.
Mit inzwischen 81 Jahren gehört Mulatu Astatke zu den größten noch lebenden afrikanischen Bandleadern und Komponisten dieses faszinierenden Genres. Zu späterer Berühmtheit im Westen gelangte Astatke durch den Soundtrack von Jim Jarmuschs Film „Broken Flowers“, auf dem zwei Stücke aus der swinging Addis Aera von ihm zu hören sind. Inzwischen ist Astatkes Konzertkalender prall gefüllt und zum Glück macht sich die Anerkennung seines Werkes nun auch finanziell bemerkbar.
Doch stand der Ethio-Jazz wohl schon immer im Schatten des Afrobeats, jedenfalls was die westliche Hörerschaft betrifft. Dazu klingen die Grooves und das Tonmaterial dann vielleicht doch zu fremdartig für den großen Markt der Weltmusik. Inzwischen besitzt der Ethio-Jazz trotz sehr interessanter Kollaborationen mit elektronischen Musikern etwas Nostalgisches.

„Amazing saxophone player, big respect. Everybody loves you. They say you ‘are’ Ethio-jazz.“
Mulatu Astatke über Lina Langendorf
In Form der Saxofonistin Lina Langendorf findet der Ethio-Jazz nun eine schwedische Neuinterpretation. Langendorf United macht dabei einiges richtig und verzichtet auf die pure Imitation einer Musikkultur, die nicht ihre ist. Sie bedient sich zwar dem Tonmaterial und der markanten Rhythmik, spielt sich aber mit viel Eigensinn durch die meist groove basierten Nummern. Auch die skandinavische Jazzkultur mit ihrem frieren improvisatorischen Ansatz ist hier allgegenwärtig. Langendorf United vereint mit Martin Hederos (keys/viola), Daniel Bingert (keys/guitar), Ole Morten Vågan (double bass) und Andreas Werliin (drums) prominente Musiker der skandinavischen Jazz-Szene zu einer kraftvollen und explosiven Formation, die zwischen rauen Grooves und expressiver Improvisation pendelt.
Gelegentlich ist vielleicht das Saxofon etwas sehr präsent und der Sound insgesamt recht dicht. Doch die Band entwickelt erstklassige Grooves und insbesondere Martin Hederos als zweiter Solist lässt fantastisch spacige Klänge erschallen, die das Klangkonzept markant mit definieren. Insgesamt ist “Undercover Beast” ein großes Album voller schwedischer Authentizität und das spannendste, was wir von diesem Genre seit Mulatu Astatke & The Heliocentrics gehört haben. Mit sehr viel Begabung kann dazu sogar getanzt werden.
“Undercover Beast” ist am 9. Januar 2026 auf Sing A Song Fighter erschienen.
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