Hörenswert: Malummí – „Damaged by Their Silence“

„Damaged by Their Silence“ von Malummí ist eine dreifach-Baustelle: Familie, Gesellschaft, das eigene Innere.
Aber das Basler Trio versteht es ganz hervorragend, ganz ruhig zu bleiben und lässt uns mit gitarrenlastigen Indie-Pop-Rock ohne Betroffenheitsästhetik nicht alleine damit.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 27.3.2026 ab 14:06 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 2.4.2026 ab 00:00 Uhr.
I found myself getting carried away by it almost without noticing
Es gibt Alben, die wollen trösten. Andere wollen aufrütteln. „Damaged By Their Silence“ von Malummí macht eigentlich beides nicht. Diese Songs sprechen nicht in Allgemeinplätzen über Heilung, sie tasten sich durch das Gestrüpp dorthin. Vorsichtig, aber ohne Ausweichmanöver.
Malummí sind aktuell eine der aufstrebenden Bands Basels. Das Trio rund um Sängerin Larissa Rapold feierte 2021 sein Debüt mit dem Album „Blood“, der Nachfolger „The Universe Is Black“ (2023) wurde von IndieSuisse zum Album des Jahres gewählt und sie wurden 2024 für den Basler Pop-Preis nominiert. Angekündigt wurde die neue Platte als fröhlicher als die letzte, was man so jetzt nun auch wieder nicht unbedingt sagen kann – eigentlich tastet sich „Damaged By Their Silence“ dorthin vor, wo Wut, Trauer, Erschöpfung und Zärtlichkeit längst begonnen haben, ineinander überzugehen, ohne jedoch auf den tröstenden, sanften Musikmantel zu verzichten und Harmonien mit Vintage-Flair zu streuen, die die Wahrnehmung von Zeit zerstreuen.
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Mehr Informationen(Malummí – „Adrian“)
Ein fragiles System
„Damaged By Their Silence“ sind viele emotionale Räume, in denen es zieht, knarzt und manchmal ganz still wird, obwohl es schon längst kracht: Es sind die Nachwirkungen von Sprachlosigkeit, Überreste familiärer Verletzungen, müde Zonen einer Gegenwart, die mit sich selbst oft nicht besonders gut umgeht. Sängerin und Songwriterin Larissa Rapold verarbeitet mit feiner, verträumter Stimme und als emotionales Zentrum eigene Erfahrungen aus der Familie und spannt einen Erzählbogen, der sich von Verlust und innerer Zersplitterung über Entfremdung bis hin zu einer Nähe bewegt. Aber Liebe ist hier nicht die Lösung, sondern etwas, das sich erst freilegen muss, unter Schutt, unter Schweigen, unter alten Schichten. Aber das Leben ist schließlich dazu da, zu lernen, mit allem umzugehen – dafür wurden schließlich erdige Rockmusik, warme Klangbetten, Hymnen und melancholische Gitarrenriffs erfunden.
“My therapist told me to look for the child in me / But whenever I see it, it runs far away from me”

Komplexe Gefühle, wohlig warmer Sound
Gitarren ziehen breite, melancholische Linien und dunstige Schatten, Rapolds Stimme bleibt nah dran, an der brüchigen Innenseite. Und die Leere ist gefüllt mit Resten. Aber zwischen Therapie, mentalen Abwärtsspiralen und der Suche nach dem inneren Kind („Therapist“), zerbrochenen Freundschaften, die langsam aus dem Bild rutschen („Key“) und der Auseinandersetzung mit früheren Schmerzen, die sich erst als Erwachsene lösen können („Silent Baby“) holen Malummí mit dichten Soundcollagen und cineastischen Gitarren einen düsteren, kathartischen Aufruf zur Empathie während turbulenter Zeiten in unsere Herzen („Echo“) und mit jazzig schlurfenden Erzählungen, Slide-Gitarren, nostalgischen Soft-Rock-Piano-Akkordfolgen und Chor („Adrian“) die so sehr ersehnten Hoffnungsschimmer an den Horizont.
Die rohe Intensität von Rapolds Stimme kommt mit Ruhe und Fokus, gemeinsam mit Giovanni Vicari an der Gitarre und Lucas Zibulski am Schlagzeug kreiert sie auf „Damaged By Their Silence“ ein Album für jene Momente, in denen etwas lange Verdrängtes endlich Kontur bekommt: Versöhnung ist nichts Glattes, Nähe ist nicht einfach, Schweigen hinterlässt Spuren. Das ist alles nicht schön. Das ist alles nicht leicht. Aber klar. Und manchmal ist das der Anfang von allem.
„Damaged By Their Silence“ von Malummí ist am 13. März 2026 bei Mouthwatering Records erschienen.










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