Artarium: Es muss weitergehn
Sonntag, 19. Mai 2019 ab 17:06 Uhr:
Eine der besten Nummern der letzten 20 Jahre ist “Es muss weitergehn” von Josef Hader. Ein feines Beispiel für Satire in Reinkultur, jenes “Entstellen der Wirklichkeit bis zu ihrer Kenntlichkeit” oder wie auch immer Brecht oder wer auch immer das so bezeichnet hat. Der kurze Text über das leidige “schneller, höher, weiter” einer sich hemmungslos “ewigem Wachstum”hingebenden Gesellschaft funktioniert vielleicht auch deswegen so zielsicher, weil er bis zum Schluss die Balance hält – zwischen Lachen und “im Hals stecken bleiben”. Das ist die große Kunst des Josef Hader. Sowie die schlicht nicht mehr steigerbaren Formulierungen wie etwa “handgeschnitzte Pommes Frites um 5.000.- Schilling”. Heute würde man “um 500.- Euro” sagen – und damit den gleichen Effekt erzielen.
Doch die solcherart entstellte Wirklichkeit holt mittlerweile ihre eigene Übertreibung spielend ein, wie ich in einer Gastrokritik aus dem aktuellen “profil” erfahren musste. Da wird derart dekadent von getrocknetem Karottenpapier, Parmesaneis und Spargeltexturen mit Estragonparfum schwadroniert, dass als Steigerung nur noch die berühmten Otternasen aus “Das Leben des Brian” vorstellbar sind. Wie sang schon Wolfgang Ambros: “Wie hört des auf, wie wird des weitergehn?” Womöglich hilft Humanismus? Doch auch diesbezüglich (Rindsgulasch) werden wir vom Großmeister des Abgründigen eines Schlechteren belehrt: “Humanismus is, doss ma scho schaut, wos geht – ober ned gonz so.” Na wunderbar. Was für einen Reim können wir uns denn dann machen – auf einen Weltzustand, der in wechselfiebrigen Anfällen absehbar auf den Abgrund der eigenen Vernichtung zusteuert? Mit all der Collagenkunst, die uns noch geblieben ist im einstweiligen Zwischenlager für die hintersinnige Gegenkultur? Mischen wir Apocalyptica, Nina Hagen, Rammstein, Slavoj Žižek und Armin Wolf dazu, sowie einen der letzten musikalischen Verfechter des emotionalbiographischen Selbstweiterentwickelns, den guten Roger Waters…
Wenn das nicht zum Überlebenscocktail gereicht, dann geht sich doch immerhin ein geschmeidiger Abgang aus. Letztendlich heißt es ja wohl: “The Show must go on”
Sendungen zum Nachhören
Breaking Glass (Film Soundtrack)
Seit einiger Zeit tauchen sie wieder öfter auf, die 70er und 80er Jahre, speziell im Hinblick auf die radikalen Einflüsse von Punk, New Wave und D.I.Y. (“Do it yourself”) auf die Musikkultur jener Zeit und darüber hinaus auf weite Teile des Musik- und Kunstschaffens bis…
WOMAD (Peter Gabriel 1982)
“It was a simple idea; to create a festival out of all the brilliant music and art made all over the world, stuff made outside of the mainstream – music that wasn’t getting on the radio and was even harder to find in record stores…
Binario Due
Binario bedeutet im Italienischen Bahnsteig oder Bahngleis und dient uns hier als Metapher für unsere Begegnung mit dem Nichtbinären. Binario Due bedeutet also, dass es nicht mehr nur eingleisig weiter geht, auf einer einzigen eingleisigen Strecke, die genau zwei festgelegte Schienen hat, rechts/links, schwarz/weiß, männlich/weiblich.…
Querschläger Gegenwind 35 / 900
Nunmehr, was wäre Werbung in einem nichtkommerziellen Medium? Und wenn ja, wie könnte das ausschauen oder besser noch, sich anhören? Schließlich sind wir ja im Radio und “Das Beste gibt es nicht zu kaufen.” Bewirkt solch Vorhaben nicht gehörigen Gegenwind? Mitnichten. Denn “auf etwas aufmerksam…
Kein Zurück: Fürs Klima ins Gefängnis
Vor einiger Zeit sind wir gefragt worden, ob wir nicht anlässlich des Internationalen Frauentags wieder einmal ein besonderes, also ein themenspezifisches, auf die Inhalte dieses (bei uns auch als Feministischer Kampftag bekannten) Tages bezogenes Programm gestalten wollen. Koinzidenterweise sind wir gerade unlängst einem sehr besonderen…







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