Nachruf auf eine Widerständige: Rosi Krenn

Rosi Krenn war mehr als 25 Jahre Sendungsmacherin bei der Radiofabrik. Sie war bei den Frauen-Stimmen-gegen-Krieg, bei Radio Stachelschwein und hat 16 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Lebensmenschen Če die Schallmooser Gespräche produziert. Denn Rosi hatte viel zu sagen.
Als Aktivistin der Friedensbewegung sprach sie über Antimilitarismus, engagierte sich in der Zivildienst – oder eigentlich Wehrdienstverweigerer-Beratung sowohl in der Arge Wehrdienstverweigerung, als auch in der ÖH, wo sie für die Studierenden-Gruppe Lili aktiv war. „Frauen und Militarismus – Zum Zusammenhang patriarchaler und militaristischer Gesellschaftsstrukturen anhand der Medienberichterstattung des Nato-Angriffskrieges in Südosteuropa“, war auch Thema ihrer Diplomarbeit – sie lebte Friedenspolitik in Theorie und Praxis. Über die Beratung von Deserteuren des Balkankrieges ist Rosi zur Flüchtlingshilfe gekommen. Irgendwann und irgendwie wanderte ihre Telefonnummer den Balkan runter in die Türkei und bis nach Israel, als Notfallnummer für scheinbar aussichtslose Fälle, immer in Kontakt mit der Connection eV in München.
Rosi war Korrespondentin der Graswurzelrevolution, Ansprechperson der GSOA/Gruppe für eine Schweiz ohne Armee in Österreich und pflegte zahlreiche weitere internationalen Verbindungen.
Von“Wasser für Kärnten“ über den alljährlichen Protest am Nationalfeiertag am Wiener Heldenplatz bis hin zur „Initiative Abflug“ gegen die Eurofighter – Rosi war bei vielen Aktionen dabei und hat für Veränderung gekämpft.
Rosi war auch Gewerkschafterin, Betriebsrätin, Bundesvorstandsmitglied des GLB/Gewerkschaftlicher Linksblock. Als Gewerkschaftlerin hat sie nebenbei und ohne formelle Zuständigkeit die Rechte der Zivildiener bei der Lebenshilfe mitvertreten, einfach weil es notwendig war. Rosi nannte sie immer die Zuvieldiener, weil das System ohne Zivildienst gar nicht funktionieren würde und auch der Zivildienst eine Zwangsdienst ist.
Unvergesslich ist Rosis Engagement für ihre Schutzbefohlenen in der Lebenshilfe, die sie zur Literaturgruppe Lachmeer zusammenfasste. Es ging ihr dabei um Partizipation und Selbstermächtigung und darum Menschen als Akteur*innen ihrer eigenen Lebenswelten zu respektieren und zum Sprechen zu animieren.
Rosi Krenn war auch Feministin, aber die Kämpfe der Eliten haben sie nicht interessiert. Sie ist an dem Widerspruch verzweifelt, wenn Upperclass-Frauen ihr Engagement gegen die gläserne Decke als Feminismus bezeichneten, während sie gleichzeitig froh darüber waren, wie billig sie ihre migrantische Putzfrau haben konnten. Eine Perspektive, die viel zu oft ausgeblendet wird, denn es gibt kein gutes Leben, wenn wir nicht alle gut leben und die Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen.
Rosi wurde nichts geschenkt und nichts erspart, aber sie hat nicht aufgehört zu kämpfen, solange sie es konnte. Viel zu früh hat Rosi diese Welt verlassen, die diesen Spirit dringend braucht. Rest in Power, Rosi!










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