Hörenswert: Antibalas – “Hourglass”

Das zehnköpfige Kollektiv aus Brooklyn erlangte für seine explosiven Mix aus Afrobeat, Funk, Soul, Latin und R&B weltweit Bekanntheit.
Nach 27 Jahren Bandhistorie und über 40 Konzerten auf fünf Kontinenten liegt uns nun ihr achtes Studioalbum vor. Auf “Hourglass” kehrt die Instrumentalband zurück zu dem geradlinigen psychedelischen Power-Funk früherer Zeiten.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 23.01.2026 ab 14:08 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 29.01.26 ab 00:00 Uhr.
Es begann wohl alles mit dem Afrobeat und der Liebe zur Musik von Fela Kuti und Tony Allen, die den Bariton-Saxophonisten Martín Perna 1998 dazu brachte, Antibalas zu gründen. Mit großer Besetzung und akribischer Analyse der Originale sollten die großen Zeiten des Afrobeats der 1970er Jahre wiederbelebt werden. Das machte Antibalas so gekonnt und clever, dass nicht nur Freunde von afrikanischer Funk-Musik daran Freude hatten und spätestens das Album “Who is this America” von 2004 brachte den großen Durchbruch.
Was braucht man für eine Afrobeat-Band? Am wichtigsten ist es wohl einen Schlagzeuger zu finden, der die Grooves von Tony Allen drauf hat. Das ist schon nicht leicht. Des Weiteren braucht es das Fender Rhodes, jede Menge Bläser, viel Percussion, Bass und Gitarre. Antibalas hat das alles, bis auf den charismatischen Frontman, wie es eben Fela Kuti war. Denn nach 23 Jahren musste Antibalas den Verlust ihres nigerianischen Sängers Duke Amayo hinnehmen. Doch auch so imitieren Antibalas mit Bravour die Musik des großen Vorbilds, in dem sie auch Parameter wie ‘Sound’ und ‘dramaturgischen Bogen’ dem Konzept unterwerfen.

Doch Antibalas kommt nun mal aus Brooklyn und nicht aus Lagos. Und ob der ganzen Imitation ist es eben Afrobeat gesehen durch eine US-amerikanische Brille, die wir hier hören. Vielleicht ist diese Erkenntnis eine wichtige Identitätsstiftende. Denn längst hat Tony Allen einen ganz anderen Weg eingeschlagen und die musikalische Universalität seines Groove-Konzepts von Pop, Hip-Hop bis hin zum Jazz auf Blue Note unter Beweis gestellt.
Antibalas bleiben auch auf “Hourglass” die Bewahrer des 1970er Jahre Afrobeats. Inzwischen wird auf Daptone Records veröffentlicht. Ein Label, das sich darauf spezialisiert hat, einen authentischen 70er Jahre Sound zu kreieren. Bis auf einige wenige Chor-Fetzen ist “Hourglass” ein tribendes, immer locker dahin groovendes Afro-Funk-Album, das aber nicht ganz so puristisch wie der Vorgänger “Fu Chronicles” (2025) klingt.
Ohne Frontman hat sich das Kollektiv dazu entschlossen, zu ihrem ursprünglichen geradlinigen Heavy-Deep-Afrofunk zurückzukehren. Mit guten Sechs Minuten pro Titel nehmen sich Antibalas genug Zeit, um ihre Stücke aufzubauen und große Geschichten mit gekonnten dramaturgischen Bogen zu erzählen. Das zeichnet diese Band aus, die auch mit der Nummer “Hourglass”einen raffinierten 12/8 Groove spielerisch leicht klingen lässt.
Antibalas ist Originalklang, ohne dabei ‘Retro’ zu klingen. Für alle, die auf der Suche nach fetten Funk-Sounds und orchestralen polyrhythmischen Grooves sind.
“Hourglass” ist am 12. Dezember 2025 auf Daptone Records erschienen.
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