Hörenswert: Ibrahim Maalouf – “Trumpets of Michel-Ange Vol 2”

Der hoch dekorierte Edel-Trompeter mit akademischen Ton bringt uns auf seinem neuen Album Hochglanz-Tanzmusik in einer sehr sauber durchproduzierten Form.
Die Balance zwischen Gefälligkeit und Wagnis hält der gebürtige Libanese mit Leichtigkeit und nimmt dieses riesige Ensemble mit auf seine Mission, Orient und Okzident musikalisch miteinander zu verbinden.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 26.06.2026 ab 14:08 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 02.07.26 ab 00:00 Uhr.
Es war Maaloufs Vater, der erstmals eine Trompete baute, die in der Lage war, auch Vierteltöne zu produzieren. In der klassischen abendländischen Musikkultur stellt der Halbton das kleinste Intervall dar. Für sehr viele ‚orientalische’ Musikkulturen ist diese Unterscheidung aber elementar für Melodieführung, Solospiel und die kompositorische Dramaturgie. Daher eigneten sich bisher eher bundlose Saiteninstrumente oder Blasinstrumente mit der Möglichkeit, den Ton frei zu gestalten. Die Fähigkeit, auf der Trompete Vierteltöne zu erzeugen, ist seit den 1960er Jahren dank Maaloufs Vater möglich geworden.
Sein Sohn Ibrahim ist nun auf der Mission, dieses Instrument musikalisch zu etablieren. Maalouf, der in Frankreich aufgewachsen ist, kommt aus einer Familie von Künstlern und Musikern, besuchte das Konversatorium, aber lernte seit seiner Kindheit von seinem Vater das klassische europäische, aber auch das persisch-arabische Repertoire. Schon bald wurde Maalouf auf der Trompete zum technischen Überflieger, gewann etliche Wettbewerbe und gab Meisterkurse an der Hochschule.
Das klingt nach einem überwältigenden musikalischen Lebenslauf. Keine Frage. Dass Maalouf die klassische arabische Musik aufpolieren kann, hat er mit seinem Album „“Kalthoum bereits 2015 bewiesen. Aber all das klingt jetzt eher etwas spießig und überhaupt nicht funky. Ist dieser akademische Edel-Trompeter auch in der Lage, tanzbare Partymusik zu machen?
einfach zu gut arrangiert, produziert und allen voran zu fantastisch gespielt

Ja, das ist er! Zusammen mit weiteren Nobel-Virtuosen wie Gonzalo Rubalcaba, Jon Batiste oder Richard Galliano bringt uns Maalouf die voll ausgecheckte Tanzmusik mit einer wilden Mischung aus Funk, Bhangra, Chanson, Flamenco und einer Art von klassischer BigBand. Auch wenn der Opener mit seiner Street-Funk-Attitüde uns etwas anderes verspricht, liegt hier der Fokus, die musikalische Universität der Vierteltontrompete unter Beweis zu stellen. Dazu spielt sich das Ensemble mit einem riesige Chor (!) durch eine Unmenge an Stilen, bleibt dabei immer auf dem Boden und liefert uns Tanzmusik auf allerhöchstem technischen Niveau.Dafür ist das rasant und hoch virtuos gespielte “Two To One” ein gutes Beispiel, das wohl alle Musiker nur beeindrucken kann.
“Trumpets of Michel-Ange Vol 2” bleibt aber das Album von einem Haufen an Akademikern und Virtuosen, die mit Streetstyle so wenig zu tun haben wie Wynton Marsalis. Doch “Trumpets of Michel-Ange Vol 2”ist einfach zu gut arrangiert, produziert und allen voran zu fantastisch gespielt, um sich an der poppigen Gefälligkeit und dem glatten Sound zu stören. Tanzmusik von der musikalischen Elite.
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“Trumpets of Michel-Ange Vol 2” ist am 12, Juni 2026 auf Mister Ibé erschienen.
Trombone – Trombone Shorty
Trumpet – Ibrahim Maalouf, Nizar Ali, Yanis Belaïd, Yvan Djaouti, Diwan Fortecoëf, Manel Girard
Piano – Jon Batiste
Congas – Pedrito Martinez
Djembe – Weedie Braimah
Drums – Julien Tekeyan
Electric Bass – MonoNeon
Electric Guitar – François Delporte
Handclaps – Elise Caetano, Roxane Charbonnier, François Delporte, Yvan Djaouti, Safaa El Moutaouakkil, Diwan Fortecoëf, Antoine Gauthier, Manel Girard ,Rita Haykal, Ibrahim Maalouf, Hafsatou Saindou, Rémi Stengel, Julien Tekeyan, Nizar Ali, Yanis Belaïd ,Sarah Bigot
Chorus – Jaden Gray, RaVaughn Brown, Peaches West, Jazzy Patton, Ashly Williams, Cherise Coaches, Anthony Evans










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