How To Tame A Rabbit – „Part One“

Hasenzähmen schwer gemacht. Zwischen Lounge, Jazz, pianobasiertem Slowcore und psychedelischem Chanson erinnert, versinkt und schöpft David Lageder alias How To Tame A Rabbit auf seinem Debüt „Part One“.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 30.1.2026 ab 14:06 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 5.2.2026 ab 00:00 Uhr.
Wie das leere Bett oder das Skelett eines Hasens auf dem Cover der Vinylplatte trägt How To Tame A Rabbit (HTTAR) die radikale Form der Reduktion in sich, in musikalischer wie jeglicher Hinsicht. „Part One“ ist die große Kunst Weglassens, in der Instrumentierung, im Inhalt und in der Art, sich den Dingen zu nähern, mit denen man sich eben auseinanderzusetzen hat. Und statt dem Leiden mit dem Gegenteil zu kommen, um es zu kurieren oder sich gar hineinzulegen, wird hier Musik geschaffen, die das Leiden trägt und deren Schönheit gleichsam heilt.
You don’t know what world you’re in
HTTAR erzählt ruhig und gelassen, ohne jemals ins Beiläufige abzudriften, von Tiefpunkten, Ausharren, Verzweifeln, Erholen. HTTAR erzählt von einer Trennung und dem emotionalen Prozess, den der Mensch dabei durchläuft. Denn letztlich ist das, was schmerzt, immer die Liebe. Im Subtext schwingt eine Welt mit, die fremd geworden ist, und eine Kommunikation, die jenseits digitaler Reizüberflutung kaum noch Tiefe zulässt. Gründe, an dieser Welt zu zerbrechen, gibt es genug. Aber „Part One“ ist der Teppich, der Runtergefallenes davor bewahrt, zu zerbrechen.
„Uns war sofort klar: Da darf nicht mehr viel dazu. Es muss fragil bleiben.“
(David Lageder im mica-Interview)
Gemeinsam mit Svilen Angelov entstanden rund um 2022 die ersten Demos, reduziert auf Stimme und Keys – jene Mischung, die dem Album seinen charakteristischen Sound vorgibt. Die verrauchte Bar mit dunklen Samtmöbeln und exotischen Whiskys, in der diese Musik ausschließlich laufen sollte, existiert in Salzburg vielleicht nicht mehr. Musikalisch jedoch bringt uns Lageders Düster-Falsett, gemeinsam mit seiner Super-Session-Group Camillo Jenny (Drums), Svilen Angelov (Keys) und Lukas Pamminger (Bass), sehr nah an diesen Ort. Damit diese Atmosphäre auch im Recording erhalten bleibt, stopft Camillo Jenny Stoffe und Laken in sein Drumset, während der Bass von Lukas Pamminger dunkel Sound und Vibe umschließt. Beim Hören entsteht im Kopf ein schummriges Wohnzimmer um drei Uhr früh, mit erschöpften Freund:innen – „Part One“ lädt ein, sich fallen zu lassen und sich in der einen oder anderen Basslinie wiederzufinden.
Die Zähmung eines Hasens ist eine melancholische Angelegenheit

Die Kombination aus scheinbar vergangenen Sounds, minimalischer Instrumentalisierung und der charmanten, locker-dandyhaften Bühnenpräsenz Lageders – inklusive vereinzelter Klangblicke auf den Sound der Merry Poppins – gibt How To Tame A Rabbit eine seltsam zeitlose, aus der Zeit gefallene und Zeitgeistige Note: Viele der Ideen des Albums sind über zwanzig Jahre alt und noch in der legendären Mildenburg entstanden, Lageder trug sie als Melodien und Textzeilen ohne feste Form mit sich. Die Songs vermeiden klassische Spannungsbögen, große Höhepunkte, Dramatik oder Ausbrüche. Die gleichmäßige, fast meditative Bewegung wirkt lauter, als es Gitarren könnten. Und trotz minimalistischer Ästhetik ist HTTAR nicht cool, trotz perfekter Instrumentalisierung nicht stilisiert. Nichts ist aufgesetzt, niemand will beeindrucken, die Musik selbst fordert Aufmerksamkeit, ohne darauf zu bestehen. Hier wird reduziert auf das Wesentliche und dieser Formulierung die Belanglosigkeit genommen.
After the darkest night
there will be morning light
HTTAR ist wie extrem langsames Gehen: Plötzlich verändert sich der Blick, unentdeckte Details in der Umgebung fallen unübersehbar auf und der Raum wird sichtbar, den diese Musik öffnet. Das Licht ist gedämpft, doch die Verbindungen, die sich langsam neu bilden, sind klar erkennbar. Ein Heilungsprozess.
„Part One“ von How To Tame A Rabbit ist am 23.1.2026 bei Dub A Sense Records erschienen.










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