Alles in allem ein Arschloch
Artarium
Sonntag, 22. Mai um 17:06 Uhr
Wut ist gut und Scheiße schrein im Quetschkontext der Beherrschkultur: Jede Regierung in Form von Herrschen und Beherrschtwerden ist fortwährende Grenzverletzung. Arschloch! Wir untersuchen seine Funktion und Bedeutung für das menschliche Dasein vom Stoffwechsel über den Lustgewinn bis zur Wienerischen Mund(un)art. Sind wir im Oasch daham oder geht uns das alles am Oasch vorbei? “Schleich di, du Oaschloch!” hätte man sagen sollen, und das schon viel früher, viel öfter. Arschloch – jeder hat eins, nur niemand will eins sein. Heißt es. Doch warum sind dann so viele genau das – und verhalten sich so, dass man meint, es habe einem jemand “auf den Kopf geschissen”? Für was soll der ganze Scheißhaufen gut sein? Und wie nicht zum Arschloch werden heutigentags?

Wut ist gut, wenn sie als Emotion anerkannt – und dort ausgedrückt werden kann, wo sie entsteht. Das jedenfalls zeigt uns die Autorin und Gerichtsgutachterin Heidi Kastner in einigen Interviews und Büchern. Ein großartiges Beispiel solcherart gelungenen Wutausdrucks ist die Szene aus Franz Antels Film “Der Bockerer”, in der sich der grantige Fleischhauer dem Verursacher all seiner Wut gegenüber in diese für seinen Berufsstand unüberbietbare Kulmination hineinsteigert: Adolf Hitler, der ihm im Fieber erscheint, wird von ihm ultimativ mit “Du Vegetarier!” abqualifiziert. Nun werden – und das völlig zu Recht – die Pflanzenfresser unter den Mitlebewesen einwenden, dass “Vegetarier” doch keineswegs als Schimpfwort aufgefasst werden kann, wie zum Vergleich etwa “Arschloch”. Hierbei wird allerdings deutlich, dass einzelne Ausdrücke immer nur in ihrem Kontext (ihrem szenischen Zusammenhang) verstanden werden können. Sie aus demselben herauszulösen und für sich allein stehend zu be- oder gar verurteilen zeugt von mangelnder Intelligenz. Erst recht dann, wenn sie als diese vielgepriesene “künstliche Intelligenz” daherkommt, die in den “Hidden Layers” der Algorithmen irgendwem seine “Gemeinschaftsstandards” schützen soll in der tumben Tradition der bigotten Dirty-Words-Listen. Der Metastasenstaat feiert fröhliche Prohibition.
Moment, ich erhalte gerade eine Anweisung von oben. Wobei – “von oben herab” mag ich eigentlich nicht behandelt werden. “Can’t hear you – Mouthful of Shit“ Und lehrt uns die Herrschaftskritik nicht auch, dass in jeder Hierarchie immer das größte Arschloch ganz oben sitzt? Quasi das Oberarschloch. Quasi im eigenen Gehirn? Wer kann uns bloß mit dem postmodernen Arschloch in uns selbst versöhnen?
Ich vergebe mich mir.
Sendungen zum Nachhören
Breaking Glass (Film Soundtrack)
Seit einiger Zeit tauchen sie wieder öfter auf, die 70er und 80er Jahre, speziell im Hinblick auf die radikalen Einflüsse von Punk, New Wave und D.I.Y. (“Do it yourself”) auf die Musikkultur jener Zeit und darüber hinaus auf weite Teile des Musik- und Kunstschaffens bis…
WOMAD (Peter Gabriel 1982)
“It was a simple idea; to create a festival out of all the brilliant music and art made all over the world, stuff made outside of the mainstream – music that wasn’t getting on the radio and was even harder to find in record stores…
Binario Due
Binario bedeutet im Italienischen Bahnsteig oder Bahngleis und dient uns hier als Metapher für unsere Begegnung mit dem Nichtbinären. Binario Due bedeutet also, dass es nicht mehr nur eingleisig weiter geht, auf einer einzigen eingleisigen Strecke, die genau zwei festgelegte Schienen hat, rechts/links, schwarz/weiß, männlich/weiblich.…
Querschläger Gegenwind 35 / 900
Nunmehr, was wäre Werbung in einem nichtkommerziellen Medium? Und wenn ja, wie könnte das ausschauen oder besser noch, sich anhören? Schließlich sind wir ja im Radio und “Das Beste gibt es nicht zu kaufen.” Bewirkt solch Vorhaben nicht gehörigen Gegenwind? Mitnichten. Denn “auf etwas aufmerksam…
Kein Zurück: Fürs Klima ins Gefängnis
Vor einiger Zeit sind wir gefragt worden, ob wir nicht anlässlich des Internationalen Frauentags wieder einmal ein besonderes, also ein themenspezifisches, auf die Inhalte dieses (bei uns auch als Feministischer Kampftag bekannten) Tages bezogenes Programm gestalten wollen. Koinzidenterweise sind wir gerade unlängst einem sehr besonderen…









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