Artarium – Kultur Shock – Kultura Diktatura
Sonntag, 11. Juni 2021 ab 17:06 Uhr
Warte nur, balde (also demnächst) brechen sie wieder über uns herein (oder an uns vorbei), nein: brechen sie um uns herab, krachend, mit Mozart und Hofmannsthal und Richard Strauß und was sonst noch in den Gefriersärgen der Hochkultur übrig ist vom geldigen Brimbamboriumewiger Herrschaftszeiten: Ob Weltkrieg oder Pandemie, die Macht des Mammonendet nie. Hihi. Die alljährliche Diktatur einer ganz bestimmten Kultur – des Geldes, des Gehorsams, des Kosumismus – durchdringt ungeachtet jedweder Entwicklung des Welttheaters das Aufrechterhaltungsprogramm des Bestehenden. Und alle Insassen der Salzburganstalt begeben sich inzwischen zermürbt und ermüdet in die gewohnte Geiselhaft der Geldherrschaft. Bitte. Danke. Das Salzburg Syndrom.

Vor ungefähr 30 Jahren brachen die “postjugoslawischen Kriege” aus. Auch ein willkommener Anlass, in provinzielle Betulichkeit zu fliehen, “glücklich ist, wer vergisst”, was wir bestimmt nicht wollen, weshalb wir als Vorspeise zu den heurigen Festspielen sowie als Nachspeisezum Memento Massengrab dieses ermutigende und trostspendendeAlbum namens ”Kultura Diktatura”der US-Balkan-Band Kultur Shockmit Nachdruck empfehlen. DerenErlöse aus Tonträgerverkauf etc.helfen genau jenen Flüchtlingen zu überleben, die auf der von unserem Bubenkanzler jahrelang wortreich geschlossenen Balkanroute festsitzen. Chapeau! Da weiß offenbar jemand, wie sich das anfühlt, auf der Flucht zu sein vor dem Umgebrachtwerden. So etwa der erfolgreich aus Sarajewogeflüchtete Kultur-Shock-Sänger Srđan “Gino” Jevđević, einst in den 80ern ein fast süßlicher Jugo-Barde – inzwischen zu so etwas wie einem Folk-Punk-Fritz-Messnermutiert, der sich radikal Wahrheit aussagend auch für die Erhaltung der Balkanflüsseeinsetzt. Das Video zu “Tutti Frutti” vom genannten Album sei eine erste Anregung.
Erheblichen Anteil an der Entdeckung des heutigen Musikbeitrags hat allerdings die überaus umtriebige Amy Denio aus Seattle (bei Kultur Shock am Saxophon), die seit Jahrzehnten in allen nur erdenklichen Stilrichtungen unterwegs ist und selbige sehr gründlich aufmischt. Sie war auch schon im Salzburger Jazzit live zu hören und spielte hier mit Johannes Steiner (Die Resonanz) sowie Otto Lechner, wovon es sogar ein ganz feines Etho/Jazz-Album gibt. Ihr neuestes Soloalbum heißt “Pandemonium”und wird als “genre defying musical statement” zur globalen Pandemie bezeichnet.
In diesen Sinnen “Hoch mit der Kultur!” und “Nieder mit der Hochkultur!” – Amen.
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