Hörenswert: Triggerfinger – „Tarmac“

Midtempo-Blues und Wüstenrock mit Industrial-Färbung, gehüllt in eine monochrome, schwarz-weiße Atmosphäre: Auf „Tarmac“, dem sechsten Studioalbum von Triggerfinger, groovt alles lässig, tiefenentspannt und voller Unaufdringlichkeit.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 2.10.2026 ab 14:06 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 8.10.26 ab 00:00 Uhr.
Salvation doesn’t come cheap
Es sind solide Gitarren, eine Melange aus Surf-Metal-Funk, schrägem Pop und einer Ausgelassenheit, die Ältere unter uns wohltuend an den Black Rebel Motorcycle Club oder Royal Blood erinnert: Hier macht sich Coolness ohne Hektik langsam Raum. Die Belgier hatten 2012 mit staubtrockenen Riffs die Highways erobert und waren mit ihrer verwüsteten Coverversion von Lykke Lis „I Follow Rivers“ von Bühne zu Bühne gezogen, inklusive Platz 1 der Singlecharts in Österreich. Höchste Zeit für ein Wiederhören! Triggerfinger sind der Rockmusik treu geblieben und haben nach bald 30 Jahren Bandgeschichte schon fast das Prädikat „Rock mit Erfahrung“. Ein bisschen Nostalgie in Richtung des Alternative Rock Anfang der 2000er, wohlaufgebaute Dramaturgie und das tiefe Wissen, wann man aufs Gas tritt oder den Motor laufen lässt.

Gitarrist Ruben Block und Schlagzeuger Mario Goossens gründeten Triggerfinger 1998 zusammen mit Bassist Wladimir Geels und spielten sich durch die Clubs und Bars von Antwerpen. Kurz darauf kam Paul Van Bruystegem am Bass, dessen tieftönendes Benzin das Trio für mehr als zwei Dekaden antrieb. Als er die Band 2023 aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste und 2025 im Alter von 66 Jahren verstarb, hinterließ er eine Lücke, die die Band zur Neusortierung zwang. Fahrzeugpanne. Motorschaden. Straßengraben.
Don’t drift, don’t flake, don’t take another turn
Aufgenommen wurde das neue, sechste Album wie schon beim Vorgänger „Colossus“ in Los Angeles mit Produzent Mitchell Froom, der diesmal auch als Mitautor fungierte. Er ermöglichte Spielereien und alternative Wege des Komponierens, einen Prozess ins Unbekannte, ohne klare Vorstellung vom Ziel. Das Ergebnis ist „Tarmac“, eine Fahrt über die staubigen Straßen des gewagten Neuanfangs – und der Weiterfahrt.
Schon der Opener „Everybody Is Looking“ steigt mit ruhiger Aufgeregtheit ein: Irgendwas nervt leise im Hintergrund, ganz wohl fühlt man sich nicht – aber genau dafür braucht es scharfe Gitarren. Bei „Stars“ setzt schon die reduzierte Orgel ein und mit „Until The Scandal Breaks“ cruisen Triggerfinger auf den ersten Höhepunkt zu: schwere Gitarren, dröhnende Instrumentierung und mittendrin die Goldfäden von Ruben Blocks Stimme, bevor die sanfte Bridge kurz in den Abgrund eines Zusammenbruchs blicken lässt. „Come Clean“ entfaltet eine geschmeidige Weichheit wie von Queens of the Stone Age auf Abwegen. „Geronimo“ bahnt sich frenetisch seinen wuchtigen Weg in einen verrückten Traum – mit schreienden Gitarren und ausgeflippten Vocals im besten Old-School-Gewand.
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Mehr Informationen(Triggerfinger – „Geronimo“)
In „Through The Beam“ dream-shoegazed das Trio über verlorene Möglichkeiten, während straßenlaternige Synths durch das Zwielicht schimmern. „No Trouble“ wird von grimmigen Gitarren getrieben und bluesige Licks reichen poppigen Hooks die Hand. Auf abseitigeren Nebenstraßen schleppt sich „On My Back“ durch sperrige Dissonanzen, zu denen Ruben Block surreale Fiesheiten ins Mikrofon gellt, ehe „Shine And Shimmer“ in geisterhaftem Minimalismus gipfelt.
Auf „Tarmac“ hört man Asphalt, der auch nach tiefen Schlaglöchern wieder trägt. Jene Art von Rockmusik, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Authentizität verloren hat und die Suche nach Salvation nie aufgibt.
„Tarmac“ von Triggerfinger ist am 18. September 2026 bei Sony erschienen.

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