Artarium – Nachträglich
Sonntag, 28. Februar 2021 ab 17:06 Uhr
“Nachträglich” gratuliert man zum Geburtstag, “im Nachhinein” gibt man mitunter ein noch fehlendes Dokument ab, “im Nachgang” werden auch noch so komplexe Ereignisse analysiert – und “nachtragend sein” hat eine entschieden negative Bedeutung. Genau deshalb werden wir euch diesmal einiges von dem “nachtragen”, was in letzter Zeit quasi liegen geblieben ist. Die Zumutung besteht nicht nur darin, dass der letzte Sonntag dieses Monats auf den 28. Februar fällt, sondern dass wir alle inzwischen seit gut einem Jahr im Ausnahmezustand vegetieren. Und dabei offenbar von so schlechten Schauspielern “regiert” werden, dass dagegen sogar die Familie Putz kompetent wirkt. Doch der Reihe nach …
Radiohead schrieben in den 90ern einen Song, der weltweit zu einer Art Hymne für alle Außenseiter wurde, wie speziell die Unplugged-Version von KoЯn deutlich macht. Die Letzten sind längst die Ersten, die Verletzten sind längst die Ärzte – und auch die Außenseiter sind längst die Insider. In einem gewaltfreien Dialog auf Augenhöhe, in einer Demokratie also, ist das Zusammenwirken von Verletzten und Ärzten zum Zweck der Gesundheit längst verwirklicht. Oder?
Tom Liwa hat sich eines weiteren Songs aus den 90ern angenommen (mit dem wir damals geradezu totgedudelt wurden) und zelebriert mit seinem REMCOVER die hohe Sprachkunst der Textübertragung. Endlich verstehen wir etwas von dem, was einst überall irgendwie schön klang, bis es ob seiner Inflation nur mehr zuviel war. Die blöde Propaganda vom unendlichen Wachstum elegant entzaubert. Chapeau!
Leonard Cohen war immer schon ein lyrischer Kritiker der herrschenden Verhältnisse (Verhältnisse der Herrschenden). Seine “Songs of Love and Hate”spannten auch immer schon einen Bogen von der Unterwerfung (in persönlichen Beziehungen) zur Unterdrückung (im politischen Geschehen). Misha Schoeneberg hat “Democracy” mit “Gerechtigkeit” übersetzt, und das ist nicht nur vollinhaltlich im Sinne des Autors, sondern auch absolut zutreffend. Worin leben wir eigentlich?
Michael Köhlmeier hat ebenfalls Songs aus dem Englischen übersetzt – und trägt selbige mit musikalischer Begeisterung vor. Allerdings diesfalls (wie einst mit Reinhold Bilgeri zusammen) in bester Vorarlberger Mundart. Nachträglich zu unserer Sendung “Das finstere Tal” hören wir eine Liveaufnahme seiner Nachdichtung von Lou Reeds“Walk on the Wild Side” (vom Krebshilfe-Benefizkonzert 2012 in Dornbirn).
Und Angelo Branduardi, dem wir unlängst ein “ganzes Album” gewidmet haben, soll auch noch mit seinen neueren “Übertragungen” zu hören sein, haben wir ihn doch geradeals jemanden erkannt, der Musik und Text aus vergangenster Zeit ins Hier und Heute, in unsere lebendige Gegenwart schreibt, spielt und singt. Wie zum Beispiel die fast 1000 Jahre alten Kompositionen der multitalentierten Klosterfrau Hildegard von Bingen.
Nachträglich ein Vorgeschmack sozusagen.
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Sendungen zum Nachhören
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