Artarium: Wunst kommt von wönnen
Sonntag, 24. Jänner 2020 um 17:06 Uhr (WH am 25.1. ab 14:06 Uhr):

“Kunst kommt von können, wenn sie von wollen käme, würde sie Wunst heißen.” Dieses Zitat, das allen möglichen Hervorhebern zugeschrieben wird, hörte ich einst aus dem beruflichen Mund des Kunstprofessors Oswald Oberhuber. In dem Fall vom oberlehrernden Hervorhuber höchstselbst. Vom Urhuber sozusagen. Was auch immer man vom staatsamtlich verbrämten Gschaftln und Hubern halten mag – mich erzürnt diese oberheblich herabgelassene Innungsmeierei grundsätzlich. “Kunst ist, was wir mit unserer Oberschrift als Kunst beglaubigen. Alles andere ist von Dilletanten und wird röcksächtslos ausselektiert!” Hätten die alten Herren von der Akademie das 1907/08 anders interpretiert, dann wären uns wohl Millionen Tote erspart geblieben…
“Als glöckliche Bestämmung gält es mir heute, dass das Schäcksal mir zom Gebortsort gerade Braunau am Inn zowies.” Der Sprachkunstpreis für geschriebene Hörbarmachung geht hiermit an Walter Moers, heute als Schöpfer von Zamonien weithin berühmt, dem wir darüber hinaus so legendäre Figuren wie das Kleine Arschloch, Adolf die Nazisau oder Käpt’n Blaubär verdanken, was wir in dieser Sendung würdigen wollen. Als Begröndung sei hier ein Artikel der Mainpost zitiert, der Lust und Tückedes Autors auf den sprachlich springenden Punkt bringt: “Walter Moers hat die Gabe, menschliche Verhaltensweisen, fast bis zur Unkenntlichkeit zugespitzt, in die Region der Groteske zu katapultieren. Wer über seine Karikaturen und Texte lacht, lacht eigentlich über die wirkliche Welt und – vielleicht ohne es gleich zu merken – auch über sich selber. Moers ermöglicht eine Art von intuitiver Wahrheitserkenntnis unter Umgehung des rationalen Großhirns. Genau so muss gute Satire funktionieren.” Die Wirkung aufs Publikum ist damit beschrieben…
Naturgemäß interessiern wir uns noch viel mehr für das innere Wirken im Gehirn des Autors, also zwischen den Kontinenten Ganglien und Neuronien, wo das verborgene Zamonien vermutet wird. Dort, wo das geheime Volk der Synapsen haust und braust. Um diese kreative Welt querassoziativ hervorsprudelnder Neurologismen näher zu beleuchten, haben wir die Bildergeschichte “Der Fönig” ausgewählt, die von Michael Krowas kongenial umtont und behörbart wurde. Die hierzutage tretende Sprachlust bewirkt, dass Haschisch ficken im Reich des Fönigs meist ganz Andreas bedeutet. So wie bei uns etwa wönnen. Das kann ein Verb zu Wunst sein (wie gönnen ja auch zu Gunst gehört). Es könnte allerdings genauso gut (reflexiv) von Wonnen kommen. Ob es das Wort wirklich gibt, ist dabei egal. Wir betreten den Kosmos der Phantastik…
Ob wir uns da etwas abgewönnen?
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