Florence + The Machine
Artarium
Sonntag, 12. Juni um 17:00 Uhr
Diesmal empfehlen wir euch das unlängst erschienene Album “Dance Fever” von Florence and the Machine. Nicht alles, was international erfolgreich ist, wird von hinterfotzigen Profitalgorithmikern zurechtvermarktet und ist trotzdem nur flüchtige Behübschung des Immergleichen und autogetuntes Plemplem für den Hupfzirkus der Flachbildhirne. Es handelt sich hierbei im Unterschied um ein höchst poetisches Musikprojekt, das sein Publikum auf der ganzen Welt anspricht – ohne den Anspruch auf Bewusstseinserweiterung jemals aufzugeben. Darum geht es uns – diese Einladung zu einer inneren Reise in die noch unerforschten Gebiete des eigenen Seins anzunehmen – und weiterzugeben. Und uns mitzufreuen, dass auch keine Pandemie dieses Album verhindern konnte.

Bemerkenswert ist vor allem, wie sich die Sängerin jeder Geschichte ausliefert, die sich ihr während des Schaffens erzählt, sie geradezu in Besitz nimmt. So verwandeln sich beide in “ein Erzählendes”, das mit unterschiedlichen Stimmen aus uns spricht, das jede/n seine/ihre ganz eigene Reise erfahren lässt. “I am a world’s forgotten boy …” haben bislang weder Iggy Pop noch viele der “männlichen” Coverversionen derartig hör- und spürbar gemacht. Doch diese Frau gibt dem Buben in mir die verstummte Stimme zurück.
“Suddenly I’m dancing / to imaginary music / Something’s coming / so out of breath”
“Dieses Märchen aus 14 Liedern, dieses brutal ehrliche wie auch feinsinnlich verschleierte Werk aus Soundpoemlandschaften und fiebertraumhaften Tanzkaskaden hat uns überwältigt, erfüllt, inspiriert, aufgewühlt, getroffen, in den Bann gezogen, in einen Sog aus vokaler Mannigfaltigkeit, lyrisch-verspielter Konkretheit, außer-unter-anderweltlichen Klanggärten, Vertrautheit und Wiedererkennen und Staunen und Ekstase; und wir verneigen uns vor dieser kreativen Kulmination von 15 Jahren musikalischem Schaffen.
Florence Welch ist eine Zwischenortzauberin, ein un(be)greifbares Geschöpf und gleichzeitig so nah und so wirklich wie Gras unter den Füßen, ein Kornfeld im Sturm, der Morgenhimmel nach durchzechter Nacht. Sie ist etwas wie Nebel, durchwoben von goldener Sonne; etwas wie Zwielichtwaldesraunen; etwas wie Schattenspiegelwahn; und gleichzeitig Sommerregennacktheit, blühender Mondbaum und dunkle Euphorie. So kraftvoll und so zerbrechlich.
So niedergeschmettert und so erquickt.
So hoffzweifelnd.
So mütend.
Tanz ist Katharsis und Transzendenz. Ein spirtueller Akt. Eine Rückbindung an den schöpferischen Geist, an die allumfassende Resonanz – und oft letzte Möglichkeit Energien zu befreien, dem Rausch des Erschaffens physischen Ausdruck zu verleihen, um sich nicht zu verlieren in wirren Emotionsströmungen.
Florence + The Machine erzählen mit diesem Album eine ehrliche, eigensinnige, vielschichtige Fabel – die in der Deluxe-Edition als prächtiges Buch erschien, samt Akustik-Versionen und dem Iggy Pop & The Stooges-Cover von Search and Destroy– welche die Hörenden einlädt sich zu wandeln in Gesänge, Jauchzer, Schreie, Klangweltfluten, Schlagwerkgedichte, harfende Metamorphosen, Gebete am Dancefloor, Hymnen im Badezimmer, Choräle gestundeter Freude.
Subversiv lassen sie die Illusion von Grenzen zwischen Künstler und Publikum vergessen und erinnern uns so an den unbändigen Tanz zwischen den Existenzen.”
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