Hörenswert: Fabiola – „The Mushroom Type“

Die Belgier Fabiola widmen sich auf „The Mushroom Type“ der geheimnisvollen Welt des Myzels, mit psychedelischem Indie-Pop, Funk, Disco und allem, was sich so finden lässt, wenn man so im eigenen Kopf unterwegs ist. Das Album ist bald ein Jahr alt aber wir finden es auch 2026 absolut:
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 9.1.2026 ab 14:06 Uhr.
Fabiola ist das Projekt des belgischen Musikers Fabrice Detry, der sich seit Jahren souverän durch unterschiedliche musikalische Konstellationen bewegt: Frontmann von Girls in Hawaii, ENDZ und Kooperationen mit u.a. Halo Kosmo. Keine klaren Linien, sondern eher Abzweigungen, immer ein gutes Zeichen. Fabiola ist nun der Raum, in dem diese Offenheit zum Prinzip und zur Band wird; gemeinsam mit Léa Kadian, Tim Clijsters und Aurélien Auchain.
Auf „The Mushroom Type“ bewegen sich Fabiola durch einen Soundraum, der angenehm schief steht. Leicht vernebelt, mit ein bisschen Shoegaze, Surf-Pop und experimentellen Ausflügen in alles, was Post- ist: Post-Pop, Post-Alternative, Post-Vernunft und Post-Konformismus. Hier sollte etwas zurückgelassen werden, Erwartungen, Karrierelogik, lineare Songentwürfe. Und eingeladen werden zu einem Spaziergang ohne Ziel, Hauptsache man sieht am Wegrand immer mal wieder lustige Dinge und bleibt an spannenden Ecken hängen. Fabrice Detry schwingt sich auf das Fahrrad, das in seinem Kopf herumrollt und lässt alles laufen, das melodische Talent und die Unmittelbarkeit der poppigen Einflüsse beginnen tatsächlich sich wie mystische Psychedelia und so ein klein wenig nach Schwammerl-Trip anzufühlen. Wann hat denn die Stimmung so gewechselt? Was der Song nicht gerade schon aus? Und wie oft läuft das jetzt schon in Endlosschleife?
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Mehr InformationenIn „The Mushroom Type“ schichten sich Gitarren bis an den Rand der Übersteuerung, der Bass windet sich beweglich darunter, während der 60s-Backing-Gesang eine warme Patina aufträgt, Funk beginnt sich zu entfalten und in einer einzigen Bewegung aufzublühen. Hier wird Pop als offenes System verstanden, alles greift ineinander, Indie, Psychedelia, elektronische Texturen, manchmal ein Hauch Hip-Hop-Logik. Und verschwindet wieder. Produziert und gemischt von Daniel Offerman, klingt das Album beweglich und wie ein sich ständig ändernder Organismus.
„Watery Base“ eröffnet sanft und verträumt, sofort ist man in den Wellen eingebettet, die irgendwo durch die Erde wabern und das unendliche Netz, das Myzel, durchforsten. „Bonify“ baut sich langsam aus Gesang und Gitarre auf, der Drummer tickt leise dazu, langsam wird die Stimmung eklektisch, chaotisch, nonkonform. Dunkler Walzer, New Wave und Retro-Orgel schaben schließlich langsam am Abgrund dahin. „Circumstance is Doom“ hat einen Moment, bei dem die Stereophonics in einem Super-Mario-Game zu Gast sind. Sanftes Fingerpicking auf der Akustischen und eingewebte Trompeten in „Hetomesnil“ wandeln sich langsam um in etwas, das wie ein Traum im Traum klingt. Das Duett mit Tim Clijsters in „The Nail On The Head“ ist die Sommerbrise und der Rausch der Leichtigkeit, schiebt kalifornischen Soul-Rock durch ein belgisches Indie-Prisma und landet irgendwo zwischen Slacker-Charme und Glam-Glimmern. Der Loop von „The Freak“ schwebt über große Synth-Flächen, „Don’t You Look There“ kehrt mit Disco-Punk und Rock wieder zu den funky Gitarren, 70er- und 80er-Effekte und ebendieser Coolness zurück, bevor in „Sahune“ die Sonne glimmend über dem Meer untergeht.
„The Mushroom Type“ ist die Lust am Nicht-Festlegen, an feiner und einfallsreicher Klangarbeit und an einer Art räumlichen Denkens in der Musik, inklusive Brüche für Ideenclashs und kleine Verrücktheiten. Die Songs wirken wie Fundstücke aus einem musikalischen Riesenkosmos, ineinander völlig unterschiedlich und dennoch sorgfältig und logisch verwoben. Ein Album, das seinem Namen alle Ehre macht und Pop wieder frei und ansteckend klingen lässt.
„The Mushroom Type“ von Fabiola ist am 21. Februar 2025 bei WANDA Y. erschienen.










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