Hörenswert: Flying Lotus – “Big Mama”

Der US-amerikanische DJ und Produzent schafft auf seiner neuen EP mysteriöse Miniaturen, die etwas nach Daft Punk auf Speed klingen.
Auf “Big Mana” erleben wir eine synthetische Klangästhetik mit sehr dichtem Sound und einer haarsträubenden Anhäufung von wahnwitzigen Ideen. Flying Lotus liefert mit dieser EP eine Art von elektronischer Kunstmusik für eine Mario-Kart-Welt der Zukunft.
Hörenswert. Das RF-Album der Woche ist zu hören am Freitag, 03.04.2026 ab 14:08 Uhr, Wiederholung am Donnerstag, 09.04.26 ab 00:00 Uhr.
Der Opener des Albums mit gleichem Namen bringt gerade mal 36 Sekunden auf die Anzeige. Im oberen Uptempo-Bereich fegt das D&B Schlagzeug dahin, zu dem sich dichte Sequencer-Lines gesellen. Zusammen mit den ständigen Akkord-Wechseln wird so ein oszillierender, sich stets minimal verändernder Klangteppich aufgebaut, der genau so schnell von der die Titel trennenden Stille erstickt wird. Und schon ist es vorbei. Es scheint wohl auch schon alles gespielt worden zu sein.
Kaum ein Stück des Albums ist länger als zwei Minuten. Dieses Format ist inzwischen ein konstantes in der musikalischen Arbeit des experimentellen Klangkünstlers. Es sind kleine Universen, die hier in aller Kürze unendlich viele Informationen vermitteln zu scheinen. Jede der Miniaturen trägt dabei einen ganz eigenen Charakter. Trotz gelegentlicher sphärischer Parts geht es in atemberaubendem Tempo dahin. Das kann nach House, Breakbeat, Jazz, Soul oder nach D&B klingen. Alle Titel vereint eine Klangästhetik, die sich über die Jahre der Arbeit bei Flying Lotus herausgebildet hat und etwas unglaublich markantes besitzt, das sich fast visuell zu manifestieren scheint.
Videospiel-Ästhetik mit hohem Kunstanspruch

Flying Lotus wurde 1983 in eine musikalische Großfamilie hineingeboren. Seine Großmutter schrieb etliche Songs für das Label Motown und seine Großtante ist keine geringere als die Jazz-Legende Alice Coltrane. Zuerst machte Flying Lotus Filmmusik, fing aber bald darauf an, selbst Songs zu veröffentlichen und Beats für andere Musiker zu produzieren.
Video und Audio sind für Flying Lotus sowieso eng miteinander verbunden. Im März 2025 erschien der Science-Fiction-Thriller “Ash” in den Kinos, bei dem das Multitalent Regie führte und die Filmmusik komponierte. Schon kurz nach Beendigung des Drehs entstanden die sieben Miniaturen von “Big Mama”. Dieser futuristische Flow ist auf der EP stets präsent.
“Big Mama” wirkt faszinierend und völlig durchgeknallt zugleich. Die zeitliche Reduktion verleiht der EP etwas Rastloses, hinterlässt uns staunend und zugleich beschwingt. Um die künstlerische Genialität dieser Arbeit zu erfassen, braucht es sicherlich ein Paar Runden auf ‘Repeat’. Nicht nur mit dem Format bricht Flying Lotus die zeitlichen Konventionen und führt so die maximale dreieinhalb-Minuten Radio-Länge ad absurdum. Vergleichbar mit den ‘Kurzen Klavierstücken‘ von Anton Webern. Auch die Klangsprache besitzt die Züge von moderner Klassik und von Free-Jazz gehüllt in einem Gewand futuristischer Beats und Sounds.
Eine ganz starke EP, gemacht in einer Art von Videospiel-Ästhetik mit hohem Kunstanspruch.
“Big Mama” ist am 6.März 2026 auf Brainfeeder erschienen.










Lass' uns einen Kommentar da