Artarium: Irgendwas mit Georg Kreisler
Sonntag, 20. Dezember 2020 um 17:06 Uhr (WH am 21.12. ab 14:06 Uhr):

Eigentlich wollten wir in unserer vorweihnachtlichen Bastelsendung “Irgendwas mit Texten” machen und hatten dafür schon zwei Ideen des großen Heimatlosen in Vorbereitung. Doch dann entschlossen wir uns angesichts der Überfülle an abgründigem Wortwitz in seinem Lebenswerk, die gesamte Sendung mit musikalischen Sprachspielereien von und mit – und rund um Georg Kreisler zu bestreiten. Und selbst das kann nur eine Andeutung bleiben. Thomas Rothschild schrieb in einem Nachruf in der Zeit, “dass der, neben Robert Gernhardt, die komischsten Reime seit Wilhelm Busch erfunden habe.” Das ist die eine Seite. Die andere beruht auf seiner zutiefst anarchistischen Weltsicht und bringt so eine geradezu prophetische Ablehnung der “herrschenden Verhältnisse” hervor.
Man braucht Kesselflicker
und Autobuslenker,
Elektrotechniker
und Serviettenschwenker,
vor Gericht braucht jeder
einen Verteidiger,
dieser Verteidiger
ist Akademiker.
Ich bin kein Zyniker
und kein Polemiker,
ich verehre diese Leute
wirklich sehr!
Aber was für Ticker
ist ein Politiker?
Eines Tages gibts den sicherlich nicht mehr!
Wir beleuchten also einerseits den phonetischen Sprachspaß, wie er in diesem Lied (und auch in anderen) vorkommt, anderseits die radikal zugespitzten Aussagen zum Zustand der menschlichen Gesellschaft. Wir erspüren die vielfältigen Inspirationen des Georg Kreisler, sowohl die ihn prägenden als auch die von ihm ausgehenden, von seiner Zusammenarbeit mit Charlie Chaplin in den 40ern bis zu ihm posthum gewidmeten Bühnenwerken von Nikolaus Habjan und Franui. Und mit dieser dichten Collage möchten wir insgesamt eines bewirken – dass zu diesen heurigen von Corona überwölkten Feiertagen ein altbewährtes Überlebensmittel des Menschseins nicht in Vergessenheit gerät – der Humor. Wir möchten dazu anstiften, Georg Kreisler und seinen Witz als ein Lachenkönnen auch in schwierigsten Verhältnissen zu feiern.
Eigentlich wollte er ja selbst einmal in unsere Sendung kommen. Doch dann ist er unvorteilhafterweise gestorben, bevor wir das realisieren konnten. Traurig besuchten wir sein Grab am Aigner Friedhof. Was uns allerdings immer bleibt, ist sein Humor.
Frohes Fest oder was auch immer …
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