Versenkte Erinnerung
Artarium
Sonntag, 17. November ab 17:30
Liebe Leute! Da müht man sich jahrzehntelang herum, dass die Erinnerung ans BÜCHERVERBRENNEN nie vergessen wird, und auf ein Mal taucht (im wahrsten Wortsinn) noch ein Wahnsinn im Umgang mit unerwünschtem Gedankengut auf, das BÜCHERVERSENKEN, von den Staatsbehörden des Austrofaschismus 1934 kurz nach den Februarkämpfen in Auftrag gegeben und im Mündungsbereich der Traun in den Traunsee durchgeführt. Ungefähr 800 Titel aus der Arbeiterbibliothek Ebensee wurden dafür “aussortiert” und sodann ins Wasser geworfen. Sie sollten “in der Versenkung verschwinden” und mit ihnen auch alle darin enthaltenen Gedanken. Ein Artikel in der Alpendistel 5/2024erinnert uns daran, wie sich das Vergangene nach wie vor auf uns auswirkt.
Darum gefällt uns auch das dort vorgestellte Erinnerungsprojekt von Alexander Jöchl und Sabrina Kern, weil es durch die Auswahl von zeitgenössischen Buchtitelndurchaus umstrittenen Inhalts die nötige Verbindung zur Gegenwartermöglicht. Und, das möchten wir anmerken, zur Vorvergangenheit. Denn das Ausmerzen von Büchern (mitsamt den in ihnen enthaltenen Gedanken) findet aktuell etwa in den Schulbibliotheken von Florida statt, hat aber auch etwa als Index librorum prohibitorum jahrhundertelange katholische Tradition und so das “christliche Abendland” entscheidend geprägt. Der Gegenwartsbezug des angesprochenen Projekts “Versenkungen” wird durch die Selbstbeschreibungdeutlich: “Ein besonderer Schwerpunkt (bei der Auswahl der zeitgenössischen Titel) liegt auf antifaschistischem, antirassistischem, queer-/feministischem sowie postkolonialem Wissen in Form von Büchern.” – Und was ist mit der Belletristik?
Unter den überlieferten Autorennamen der Bücherversenkung 1934 finden sich nämlich nicht nur die üblichen Sachbuchverdächtigen wie Marx, Lenin oder Stalin, sonder eben auch Maxim Gorki, Fjodor Dostojewski, Upton Sinclair und Émile Zola. Wäre heute zum Beispiel ein Titel wie “The Handmaid’s Tale” von Margaret Atwoodausgewählt worden, um gefälligst dem Vergessen anheim gefallen worden zu sein? Ein entsprechendes Video mit dem Titel “The Unburnable Book” ließe derartigesvermuten. Lassen wir uns zum Übertragen von Erinnerung in die Gegenwart anregen:
Dazu verwenden wir eine Textpassage aus Maxim Gorkis Roman “Die Mutter” und lassen sie aus der klanglichen Unterwasserwelt von Deprogramming Division wieder im Hier und Jetzt auftauchen. Unser kleines Hörmahnmal soll die Gefühlswelt der Arbeiter*innen von Ebensee und ihre damaligen Wünsche und Hoffnungen zeigen – sowie eine Brücke in unser aller Erleben schlagen, wenn es darum geht, wie wir uns selbst in den Gedanken von Büchern wiederfinden und was uns das bedeutet, wenn wir dabei plötzlich bemerken, dass wir doch nicht allein sind mit unserer Situation.
Wenn wir im Schlamm der Geschichte nach Perlen tauchen …
Sendungen zum Nachhören
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