Wir ficken euch, Oida!
Artarium
Sonntag, 28. August 2022 ab 17:06 Uhr
„Wissen sie, wie wir reden zuhause? Wissen sie nicht! Weil – mit ihnen reden wir nicht so. Weil sie sind unsere Arbeitgeber. Aber wollen sie wissen, wie wir untereinander reden? Wollen sie den serbischen Originalton einmal wirklich übersetzt hören? Wir ficken euch, Oida! Sehen sie, wie unangenehm ihnen das ist?”
Zu diesem sprachlichen Höhepunkt postjugoslawischer Völkerverständigung steigert sich Malarina in ihrem Soloprogramm “Serben sterben langsam” empor, mit dem sie letzten Sommer auch schon in Salzburg zu Gast war. Ficken kann ja – je nach Kontext – vielerlei bedeuten. Und seit der Frage, ob man das auf einer CD überhaupt sagen darf, ist so viel Freiheit den Bach runter geflossen, dass wir endlich einen Sendungstitel damit garnieren können. Freies Radio, Oida!

Mit ihrer konsequent angewandten Satire trägt Malarina mehr zum Verständnis untereinander bei als irgendein Politkasperltheater, das den Begriff “Integration” vor sich her vergewaltigt. Gerade in Zeiten weltweiter Kulturzerstörung durch die “Diktatur des Konsumismus”(Pasolini) kann das Herumreiten auf überspitzten Klischees dabei helfen, sich selbst und die anderen noch zu erkennen. “Die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit entstellen.” So wird der Zweck von Satire beschrieben. Und wenn man sich im Erkennen selbst (wieder) spürt, dann ist der Weg zum Einfühlen in andere auch nicht mehr so weit. Wohlgemerkt, hierbei geht es um aus sich selbst heraus entwickelte Gefühleund nicht um antrainierte gefühlsähnliche Reflexe, die durch die jeweils passenden Schlüsselreize abgerufen werden, genauso unwillkürlich wie ein plötzlicher Rülpser. Letztere zu entlarven als hinterfotzige Mechanismen der Massenbeeinflussung, meist durch rechtsextrem konservative Soziopathen und Glaubensgemeinschaften, das gelingt ihr elegant – etwa mit ihrer “serbisch-österreichischen Geschichtsstunde”.
Es ist nämlich unendlich kostbar, sich in jemand anderen “einzufühlen”, sich mitsamt seiner eigenen Welt einer anderen Welt anzuverwandeln, ein Geschenk der Liebe zu sein inmitten von feiger Berechnung. Sich über die Fesseln der Konvention zu erheben und der fremdelnden Welt ein Gemeinsames darzuleben, indem man deren Klischees dem erlösenden Lachen anheim stellt. Und um die Völkerverständigungdieser erfrischenden Frau unserem Wesen nach weiter zu betreiben, fügen wir das Antikriegslied eines Kroaten sowie eine Hymne auf die Albanien-Nostalgie hinzu …
Oder wie Sebastian Kurz gesagt hätte: “Ich habe die Balkontüre geschlossen.” Oida!
Zur Sendungsseite: Artarium
Sendungen zum Nachhören
Rund um den Radioschorsch
Die Mitgliederversammlung, das Radiofabrik-Sommerfest und die seit 2008 damit einhergehende Verleihung des “Radioschorsch” sind wieder einmal erfolgreich über die Bühne gegangen. Der Radioschorsch ist unsere jährliche Auszeichnung für die besten Produktionen und beeindruckendsten Sendereihen sowie jene Lebensleistungen, die das Anliegen eines Freien Radios für Salzburg in…
Rund um den Peršmanhof
Letzte Woche veranstaltete der KZ-Verband/VdA im Hörsaal 388 der GesWi-Fakultät (Rudolfskai 42) einen Vortrag der Standard-Journalistin Colette Schmidt über einen skandalösen Polizeieinsatz am Widerstandsgedenkort Peršmanhof der Kärntner Slowenen im Juli 2025, dessen “Aufarbeitung” nach wie vor zu viele Fragen offen lässt. In der Einladung dazu heißt…
Genug ist nicht genug
Vielleicht ist alles auch ganz anders. Bei Konstantin Wecker bin ich jedenfalls schon einmal voreingenommen, ich kenne ihn persönlich und er hat Spuren in meinem Leben hinterlassen. Spuren, die für mich wertvoll waren und mich in meiner Jugend dazu ermutigt haben, mich gegen das zu…
VÖLLIG SCHWERELOS
Bei unserer Besprechung des Buches “Die guten Kräfte” hat mein Kollege Andreas Woldrich aka MC Randy Andy von der Sendereihe “Battle and Hum” noch ein weiteres Kompendium ähnlichen Aufbaus mit einbezogen, und zwar “VÖLLIG SCHWERELOS” von Wolfgang Zechner, welches wir euch diesmal aus guten Gründen…
The Rainbow Division
In unserer letzten Nachtfahrt der Perlentaucher “Vom Fallen zum Fliegen” haben wir gefragt, wer die Geschichte des dreifarbigen Regenbogens an einem Türmchen nahe der Basteigasse kennt. Und im Artikel dazu auch gleich die Antwort gegeben: Die doch für manche überraschende Auflösung haben wir dem Buch…









Lass' uns einen Kommentar da