Rainald Grebe – 1968
Artarium
Sonntag, 11. Dezember 2022 um 17:06 Uhr
Rainald Grebe, den wir als Inbegriff des Herumhupfens kennen und schätzen gelernt haben, ist ernsthaft krank. Er leidet an einer unheilbaren Autoimmunkrankheit namens Vaskulitis und hat seit 2017 bereits sechs Schlaganfälle überlebt. Eigentlich könnte er jederzeit direkt von der Bühne in ein Pflegeheim geraten – aber er macht weiterhin seine Kunst, wenn auch in entsprechend veränderter Form.
So hat er uns etwa unlängst einen “Abend Popmusik” (Konzertfilm) beschert, der im Zusammenspiel mit der Band “Fortuna Ehrenfeld” entstanden ist. In dieser knapp 2-stündigen Tour de Force durch zahllose Stilzitate tauchen (dank Jenny Thiele am Keyboard) auch entlegenere Kostbarkeiten auf – wie zum Beispiel ätherisch-erzählschwebige Laurie-Anderson-Stimmungen.
Wir wollen heute allerdings ein etwas älteres Konzeptalbum von Rainald Grebe & Die Kapelle der Versöhnung zelebrieren, und zwar das 2008 “zum 40. Geburtstag” des sprichwörtlich gewordenen Jahres erschienene “1968”. Die darin enthaltene “Zeitmaschine” hat es zusammen mit dem von uns immer wieder gefeierten “Guido Knopp” sogar bis in elaborierte germanistisch-kulturhistorische Fachzeitschriften geschafft. Den diesbezüglichen Artikel “Poetik der Einebnung: Zur Amalgamierung von Raum und Zeit in den Liedern Rainald Grebes.” von Gerrit Lembke kann man sich hier im Doc-Player ab Seite 35 zu Gemüte führen. Doch auch abseits der intellektuell beflissenen Detailwürdigung gelingt diesem Album eine ebenso gefühlvolle wie lehrreiche Zeitreise durch die nachkriegsdeutsche Revolution – die eigentlich nie stattfand, dafür dann halt anders und auch wieder nicht wirklich. Wollt ihr die totale Marktwirtschaft? Oder “Follow the white rabbitt!” Ja, Kinder: When I was young.
Über die ungemein vielfältige und inzwischen fragil gewordene Künstlerwelt des Rainald Grebe hat Peter Blau heuer in der Ö1-Sendereihe Gedanken ein famoses Portrait gestaltet, das es hier nachzuhören gibt und das wir ausdrücklich empfehlen. Wir reisen aber lieber noch einmal zurück in jene Versöhnungs-Stilepoche, in der wir dem Autor von “Rheinland Grapefruit. Mein Leben” erstmals begegnet sind und durch die wir ihn als echten In-betweener zwischen den Genres und Generationenins Herz geschlossen haben. Und vielleicht ganz einfach – weil es so schön rockt!
Ich habe noch Briefe mit dem Füller geschrieben
und mit Münzen telefoniert.
Hat es mir geschadet?
Hat es mit geschadet?
When I was young.
When I was young.
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Alles zum Nachhören gibt es unten oder HIER
Sendungen zum Nachhören
Lost & Found Lyrics & Songs
In welche Richtung fließt der Fluss der Zeit? Bilddenkmenschen verfügen ja über erstaunliche Fähigkeiten: Sie können in ihrer Phantasie die Geschwindigkeit des Zeitablaufs verlangsamen oder beschleunigen. Sie können in die jeweilige Sequenz hinein oder aus ihr heraus zoomen. Und sie können den ganzen Film auch…
Immanuel Kant im Café Bazar
FRAGE: “Werden sie von ihren Kindern noch um Rat gefragt?” FAKT: “Laut Studien fragt nur noch die Hälfte der Kinder und Jugendlichen ihre Eltern, Lehrer oder andere nahe Erwachsene um Informationen oder um Rat bei all den Fragen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt.”…
The Dark Side Of The Moon
Zum 50. Jubiläum? Eines im Jahr 1973 erstmals erschienen Albums? Heuer? Nun, bei diesem im wahrsten Sinn epochemachenden Kapitel der Musikgeschichte soll in unserem Fall auch meiner persönlichen Erstbesteigung – besser gesagt Erstbehörung – im Jahr 1976 gedacht werden. So wie jedweder erstmaligen Begegnung mit diesem…
Takeshi’s Cashew
Dass es hier in nächster Zeit die eine oder andere musikalische Neuentdeckung zu erleben gibt, das hat sehr viel mit Hans Webersdorfer zu tun. Besser gesagt mit der nach ihm benannten Straße im Süden Salzburgs. Dorthin werde ich nämlich jetzt eine Zeit lang unterwegs sein.…
Austrodrama – Album von Mwita Mataro
Machen wirs kurz: Im Jahr 2025, als wir selbst gerade mit der Produktion unserer dokumentarischen Erzählung “IN BETWEEN. Ein Doppelportrait” beschäftigt waren, geriet ein lieber Kollege, den ich noch aus seiner Salzburger Zeit kenne, in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Mwita Mataro hatte da soeben seinen…


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