Artarium – Melting Palms aus Hamburg
Sonntag, 30. Mai 2021 ab 17:00 Uhr
“Moin!” oder in diesem Fall noch besser “Bitte. Danke. Guten Morgen!” Denn so hat sich die heutige Entdeckungzugetragen. Frühmorgens war ich im Fernsehkabel unterwegs und flehte beinah: “Bitte, gibts da nicht irgendwas, das kein Schas ist?” Und siehe, auf OKTO TV sah man die Wiederholung einer TIDE Session aus Hamburg. Da orgelte eine Band mit drei Gitarren (nebst Bass und Schlagzeug), die sich ganz wunderbar nicht nach dem sonstüblichen Kommerzlulu anhörte. “Danke, das ist endlich mal was Eigenes zum gedeihlich Wegschweben.” Und so bescherte mir die Begegnung mit dieser bislang noch nicht gekannten Musikkapelle einen von innen heraus guten Morgen. Übrigens, die Band nennt sich Melting Palms – und gehört, so finden wir, noch viel öfter gehört.
Zu diesem Behufe bringen wir euch dieses angenehm anders klingende Musikprojekt zum Maiausklang zu Gehör. Da werden eure Ohren aber Augen machen! Seht einfach mal selbst, was ihr beim Zuhören alles spürt. Uns sind bekanntlich die weit ausgespannten Klangweltreisen in jegliche Sphären und Dimensionenstets ein besonderer Genuss. Und genau das lässt sich mit den Melting Palms erleben (wenn man die Grundstruktur des Rock schätzt und zu Sphärenklangnicht ausdrücklich elektronische Maschinenmusik assoziiert). Darüber hinaus ist die Zeitlosigkeit dessen, was da geschaffen wird, bemerkenswert. Denn wiewohl sich in den diversen Schichtungen und Collagen der Band zahlreiche Anklänge und Zitateentdecken lassen, klingen sie nie wie Nachgespieltes aus vergangener Zeit, sondern wie neue Schöpfungen aus gediegenen Materialien. Dadurch stimmen die üblichen Genreschachterln der Musikstilzuschreibung aber auch nur bedingt, beziehen sie sich doch bestenfalls auf das Ausgangsmaterial und nicht auf dessen Verbeabeitungzur hier vorliegenden Gesamtkunst. So fand ich im Titel “Illusion” (den ich für unsere Signation verwendete) einige Elemente der Band x-beliebig aus den frühen 80ern, allerdings ohne den faden Beigeschmack, es handle sich um bloße Pose und Kopie.
Viel wichtiger als jede Analyse (und damit verbunden meist Einteilung in dieses oder jenes) ist doch das direkte Erleben dessen, was da vor sich geht. Die Spielfreude, die Hand- wie Mundwerkskunst, die Hingegebenheit an etwas Größeres, Ganzes. Das Überzeugtsein von der eigenen Aufgabe, vom eigenen Daseinsgrund, noch dazu inGemeinschaft. Die Stimmigkeit der Schnittmenge. Manches davon mag als Videodeutlicher zu Tage treten – und manches mag sich ohne Bild den Ohren offenbaren.
Wir sind ein geiles Institut.
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