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Geschichte der Radiofabrik

(Plakatmotiv f. Radiofabrikfest 2009)
Radio Bongo 500, die Anfänge der Radiofabrik als Piratenradio
Als die Radiofabrik noch ein 5stündiges Sendefenster hatte...
Pioniere im Studio: Georg, Waltraud & Wolfgang, langjähriger Geschäftsführer
Y2K-Radio zum Jahreswechsel 1999/2000
Der legendäre Container vor der alten ARGEkultur im Mühlbacherhofweg
...auch von innen via Webcam
YARM - Yet Another Radio Manager organisiert das gesamte Programm
Das Büro in der alten ARGEkultur
Marcus schnitzt unser neues Studio in der Josef-Preis-Allee
Die Civilmedia - EU-Projekt der Radiofabrik seit 2006
artarium-Crew bei der Radioschorsch08-Verleihung beim 10Jahres-Fest
...bei dem u.a. auch die pond pirates die ARGEkultur bespielt haben
Musik aus Salzburg auch live im Studio mit The See Saw
Alf und Eva mit dem Europasiegel für Innovative Sprachenprojekte 2008
"Ich bin ein Freies Radio" Georg bei der Eduard-Ploier-Preis Verleihung 2008

Alles begann 1992...

Seine Wurzeln hat das Freie Radio Salzburg in dem Piratenradio Bongo 500, das ab 23. November 1992 einmal wöchentlich von einem der umliegenden Stadtberge gesendet wurde. Die Piratentätigkeit war, wie auch in den anderen Bundesländern, von Anfang an mit dem politischen Konzept der Durchsetzung von legalem Freien Radio verbunden. Die Justiz ging teils mit drastischen Mitteln gegen die Radiopiraten vor, im Sommer 1993 kam es zur endgültigen Beschlagnahmung des Senders. Um eine Lizenz zu beantragen wurde im Frühjahr 1993 der Verein Freies Radio Salzburg gegründet. An die Öffentlichkeit trat der Verein zu dieser Zeit mit medienpolitischen Aktionen, z.B. kritischen Stellungnahmen zum damaligen Regionalradiogesetzesentwurf. 1994 bewarb sich der Verein Freies Radio Salzburg um die Regionalradiofrequenz für Salzburg, blieb aber erfolglos.

Nach dem Fall des österreichischen Rundfunkmonopols 1998 wurde der Verein Freier Rundfunk Salzburg gegründet. Man bewarb sich um die Frequenz 107,5 MHz, bekam aber nur ein 5-stündiges Sendefenster bei dem kommerziellen Radio Arabella 94,0 jeden Mittwoch ab 20.00 Uhr. Nach zwei Monaten Probebetrieb konnte der Sendestart am 7. Oktober 1998 offiziell begangen werden. Gefeiert wurde dieses Ereignis mit einem Fest in der ARGEkultur. Von den Büroräumlichkeiten in der Kaigasse übersiedelte die Radiofabrik im Frühjahr 1999 in einen Container vor der ARGEkultur (damals noch „Kulturgelände Nonntal“), von dem aus ab September 1999 auch gesendet wurde.

War es am Anfang noch eher schwierig, die 5 Stunden Sendezeit zu füllen, trat bald das Gegenteil ein: Die Schwierigkeit bestand darin, die vielen Menschen, die Radiosendungen machen wollen, unterzubringen. Da immer mehr Sendungen, Projekte und Sendeschienen (Frauenzimmer, Jugendradio, Magazin, Weltkanal, Musikschiene, fremdsprachiges Programm) entstanden, wurde die Sendezeit in immer kleinere Einheiten zerteilt. Bald reichte sie aber nicht mehr aus, um alle Interessierten einbinden zu können.

Zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde mit dem „MillenniumRadio Y2K“ Eventfunk auf der damals noch ungenutzten Stadt-Frequenz 107,4 MHz betrieben, um den Anspruch auf eine eigene Frequenz zu unterstreichen. Insgesamt 35 Organisationen und Institutionen sowie Hunderte Einzelpersonen gestalteten zwei Wochen lang 24 Stunden Programm rund um den Jahreswechsel, was von der Bevölkerung und von Seiten der Lokalmedien positiv aufgenommen wurde. 

Mit März 2001 war es dann soweit, der Radiofabrik wurde die Frequenz 107,5 MHz zugesprochen, zumindest die Hälfte davon. Frequenzpartner war die Objekt Werbung GmbH. Nach etlichen Verzögerungen, und der kompletten Übersiedlung in dieARGEkulturund dem Ausbau des Kernteams, war es am 6. Jänner 2002 endlich so weit: die Frequenz 107,5 MHz konnte in Betrieb genommen werden. Bis Ende des Jahres 2003 sendete die Radiofabrik an Wochentagen von 18.00 bis 5.00 Uhr und am Wochenende rund um die Uhr. Das Programm hat sich dabei quantitativ und qualitativ stark erweitert: Kulturstätten, fremdsprachige Gruppen, Musik-Spezialisten, DJs etc. sorgten für Vielfalt on air – live und direkt aus dem legendären Container-Studio.

Highlight 2002 war sicherlich die Berichterstattung rund um das World Economic Forum, das zum zweiten Mal in Salzburg tagte. Die Radiofabrik bot als Teil eines alternativen Medienzentrums freien JournalistInnen Arbeitsplätze und Distributionsmöglichkeiten und wurde mit ihrer Berichterstattung von fünf weiteren österreichischen Freien Radios übernommen.

Mit 23. Jänner 2004 gab es auf der 107,5 MHz keine halben Sachen mehr. Nachdem der kommerzielle Frequenzpartner Objekt Werbung den Konkurs anmelden musste, wurde der Radiofabrik die Vollfrequenz zugesprochen. Gefeiert wurde diese mit einer "on air" Pressekonferenz und einem Sonderprogramm, außerdem hatten wir den ganzen Tag über open house im Studio im Container und in den Büro- und Schnitträumen. (Mehr oder weniger) prominente Gäste und Wegbegleiter gaben sich die Tür in die Hand. Seit der Verdoppelung der Sendezeit stieg natürlich auch die Zahl der SendungsgestalterInnen kontinuierlich an.

Seit 2004 verfügt die Radiofabrik auch über ein Sendeautomations-Programm YARM (Yet Another Radio Manager), das von Radiofabrik-IT-Techniker Hermann Huber entwickelt wurde und mittlerweile auch bei zahlreichen anderen Freien Radios eingesetzt wird. Die Webstream-Technologie ermöglicht auch Live-Übertragungen von Konzerten, Konferenzen und ähnlichen Events außerhalb des Radiofabrik-Studios. Zahlreiche Live-Übertragungen von Kundgebungen, Kulturveranstaltungen, Studentenradio usw. wurden bereits realisiert.

Am 5. September 2005 wurde ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Radiofabrik gesetzt: Die Radiofabrik sendete zum ersten Mal aus dem neuen Studio im neuen ARGEkultur-Gebäude in der Josef-Preis-Allee 16. Die Nutzungsfläche stieg von 78 auf 120qm an, womit sich auch eine Reihe neuer Möglichkeiten, besonders im Workshop- und Schulungsbereich, ergaben. Im Moment zählen ein Großraumbüro, ein Produktionsstudio, ein Workshopraum und das Sendestudio zu den Räumlichkeiten der Radiofabrik im 1. Stock der ARGEkultur. 

An EU-Projekten ist die Radiofabrik seit 2002 beteiligt, zu Beginn als Projektpartner, später auch als Initiatorin und Koordinatorin. 2004 waren es elf Projekte, 2005 waren es sieben, 2006 neun und 2007/2008 acht EU-Projekte, durch die sich die Radiofabrik mittlerweile zu gut 70%  finanziert, von der Radiofabrik als Koordinatorin durchgeführt:

Seit Anfang des Jahres 2008 senden wir auf der zusätzlichen Frequenz 97,3 MHz, um auch den Süden der Stadt gut abzudecken, seit Sommer 2008 ist die Radiofabrik auch über das Kabel der Salzburg AG auf 98,6 MHz zu empfangen. Die potentielle technische Gesamtreichweite der Radiofabrik beträgt somit ca. 300.000 Haushalte in und um Salzburg.

Wenn man einen Blick auf die Anzahl der Vereinsmitgliedschaften der Radiofabrik wirft, so ist ein deutlicher Anstieg seit 1999 zu bemerken, als die Radiofabrik noch 30 Personen und 15 Organisationen als Mitglieder hatte. 2008 waren es bereits 270 Personen und 22 Organisationen. Die Zahl der Workshops und WorkshopteilnehmerInnen bei der Radiofabrik ist seit 1999 ebenfalls erheblich gestiegen. 2007 hat sie mit knapp 400 Personen, denen das Medium Radio nähergebracht wurde, den vorläufigen Höchststand erreicht. Die Zahl der Partnerorganisationen, Kooperationspartner und Förderer der Radiofabrik entspricht dem: waren es 1999 noch 19 Partner, so ist deren Zahl bis 2007 bereits auf über 80 gestiegen. Der Vereinsvorstand der Radiofabrik wurde im Dezember 2007 neu gewählt, darin sind nun zwei Frauen und drei Männer aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Journalismus vertreten.

Wie finanziert sich das alles? Zum Thema Jahresbudget ist zu sagen, dass es 1998 noch 5.790 € waren, mit denen die Radiofabrik auf Sendung ging. 2003 waren es 205.000 € und seit 2006 sind es etwa 370.000 € pro Jahr. Der Plan-Umsatz für das Jahr 2008 liegt bei etwa 350.000 €. Das reale – für operative Tätigkeiten zur Verfügung stehende – Budget der Radiofabrik für 2008 beläuft sich auf ca. 250.000 €. Der tatsächliche Bedarf eines Freien Radios wie der Radiofabrik liegt allerdings bei rund 390.000 € jährlich. Diese Berechnung beruht auf offiziellen Zahlen des Verbandes Freier Radios Österreich, woraus sich eine Unterfinanzierung des Senders von ca. 150.000 € pro Jahr ergibt.

2008 waren im Programm der Radiofabrik etwa 125 verschiedene Sendungen zu hören, die Zahl ist allerdings jährlichen natürlichen Schwankungen unterworfen. 2007 kamen beispielsweise 28 neue Sendungen dazu, 14 Sendungen wurden eingestellt. In den Jahren 2005 bis 2008 wurden Sendungen in ca. 15 verschiedenen Sprachen gestaltet. Eine weitere Besonderheit im Radiofabrikprogramm sind so genannte „Jingles“ für Kulturstätten und deren Veranstaltungen. 2005 wurden beispielsweise 50 Promo-Jingles für Caritas, Greenpeace, Künstlerhaus, ARGEkultur und andere Kulturstätten produziert. Ebenfalls seit 2005 existiert eine Kooperation mit der Salzburger Straßenzeitung „Apropos“. Seit Juli 2007 spielt die Radiofabrik mindestens zwei Titel von Salzburger Interpreten pro Stunde in der Rubrik „Musik aus Salzburg“. Das eigenproduzierte „Magazin um 5“ muss 2009 aus finanziellen Gründen vorläufig auf zwei Sendetermine pro Woche (Dienstag und Donnerstag 17:00 Uhr) eingeschränkt werden.

Auszeichnungen: Die Arbeit der Radiofabrik wurde bereits mehrfach mit nationalen und internationalen Kultur- und Medienpreisen ausgezeichnet.

 

 

Wer's genauer wissen will, hier geht es zur ausführlichen Langversion der Geschichte der Radiofabrik...

 

 

Text/Quellen:

Winter, Mirjam (2005). Freie Radios auf dem Weg in die Professionalität? Programmspezifika und RadiomacherInnen der Freien Radios am Beispiel der Salzburger Radiofabrik. Eine Programmstrukturanalyse und SendungsmacherInnen-Befragung. Magisterarbeit, Salzburg.

Gams, Michael (2008). Das soziale Feld der Community Medien. Eine explorative Untersuchung über Beteiligte vor und hinter den Kulissen der Community Medien „Okto“ und „Radiofabrik“. Magisterarbeit, Salzburg.

RTR-GmbH (2008). Nichtkommerzieller Rundfunk in Österreich und Europa. Band 3/2008. Wien: Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH.


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